Donnerstag, 22. Mai 2008

Ben X / Cassandra's Dream / XXY

Zwischen all dem Hokuspokus um Medienwechsel, den Nic Balthazars Ben X veranstaltet, lässt sich vor allem eine todtraurige Geschichte um Ausgrenzung und Anderssein lesen. Die Unfähigkeit der Umwelt mit einem "speziellen" Menschen wie Ben umzugehen spielt die gewichtigste Rolle. Die Nicht-Kompatibilität des überforderten, übersensiblen Individuums mit einer interpersonell intelligenzschwachen Gesellschaft lässt den Konflikt in diesem sehr bewusst auch als Kinder- und Jugendfilm konzipierten Drama (BEN X lief im Berlinale Generationenprogramm) bis zum emotionalen Schock anschwillen. Die letzten Sequenzen, in denen Ben immer mehr in Wunschträume flüchtet (eine selten intensive Love Story), verdeutlichen die Wucht des Zusammenpralls von Realität und eigenem Vermögen.

Woody Allen ist ja neuerdings so uneitel und inszeniert tatsächlich auch Filme, in denen er nicht neurotisch durchs Bild hüpft. Nach MATCH POINT ist nun Cassandra's Dream ein weiteres, goutierbares Erlebis, wenngleich es auch aussieht wie ein Johansson-Epigone. Das gleiche Krimischema um Schuld und Sühne im neureichen Europa wird angewandt und ist ebenso ansehnlich und mit Suspense gespickt. Viele mochten es nicht, und sicherlich ist CASSANDRA'S DREAM beinahe eben so unnötig wie der Großteil aus Allen Oevre, und trotzdem: Missfallen hat er mir nicht.

XXY von Lucia Puenzo ist puristisches Arthousekino aus Argentinien. Die Schauspieler füllen die Leinwand wie sie es nach ihrer Profession gehend tun sollten. Die Geschichte hingegen ist zu eindeutig und stromlinienförmig als das sie mehr ist, als das Erzählte. Ein starker Moment, dieser Film. Mehr leider nicht.

Keine Kommentare: