Schaut man sich im Internet um, kommt man zum Punkt, dass Steven Soderberghs Genre-Experimental-Sonderling Bubble nur über die Rezeptionsgeschichte aufgenommen wird. Vermarktungskette unterbrochen etc. Dabei sollte mal lieber jemand mehr zum Film selbst schreiben. Diese Kriminalgeschichte ist nämlich eigentlich eine äußerst bewusst konzipierte Antipode zum herkömmlichen Genregeschehen. Glücklicherweise nicht naseweiß umhertänzelnd, sondern bodenständig zielorientiert. Im Grunde geht es dem Film um einen trist-trüben Einblick in den White Trash, um eine Destabilisierung jeglicher Dramaturgiezwänge über den Sozialbezug und den apathischen Gestus, den uns Figur und filmische Aufmachung vermitteln. Das sieht bei Soderbergh tatsächlich seltsam interessant und stimmig aus. Dieses gelangweilte Nichts in welchem die Figuren beinahe zu verschwinden drohen ist der eigentliche Protagonist. Gerade der Mord im Affekt ist ausgeblendet, und das passt so wunderbar, weil Affekte in diesem Tränsensack-Triefer gut und gerne als nicht existent wahrgenommen werden dürfen. Die Leerstelle ist mit Fantasie aufzufüllen und derer benötigt man reichlich. In diesem Sinne nun wirklich kein Film, der ein großes Publikum finden könnte. Demnach auch nicht wirklich mutig, diesen dann über "neue Vermarktungswege" zu publizieren. Eher gelungene PR, denn ohne die Metatexte wäre das Ding wohl vollkommen abhanden gekommen.
Bubble bietet also einen neuen Genresprachgestus an. Mit Soderberghs heiß erwartetem Doppelstreich Che: Part One - The Argentine und Che: Part Two - Guerrilla, die bei uns auch getrennt ins Kino kommen, zeigt sich auch der Wille eine stark mythisierte Geschichte und historische Ikone in einem gänzlich anderen Licht zu betrachten. Genau genommen kann wohl niemand etwas mit diesem entschleunigten Doppelbrummer anfangen, denn Che ist 4 Stunden entdramaturgisierter Dauerlauf. Die kubanische und bolivianische Revolutionen werden als Arbeitsprozess dargestellt, als Organisationsablauf, mit Sprüngen, Leerstellen und Figuren als graues Beiwerk. Dann wird der Film auch mal kurz zum recht unansehnlichen Actioner, kehrt aber schnell wieder zurück in die Nüchternheit von Geschichtsschreibung, welche Soderbergh hier vielleicht aufzeigen möchte. Als Konzeptfilm geht das, als Unterhaltungswerk natürlich nicht, in diesem Sinne ist Che durchaus eigenwillig und leicht subversiv, denn gerade als gehypte Kommerzshow ließe sich der Mammut in diesen Tagen der stilisierten Ikonografien wohl am Leichtesten verkaufen. Trotzdem ist an Che - neben der Tatsache, dass er keinen Spass macht - auch auszusetzen, wie er hier vorgeht. Denn diese stille, doch im lateinamerikanischen Bergdschungel seltsam keimfrei sterilisierte Abfolge eines Guerilla-Kampfes passt nicht nur nicht in das Bild der linken Ikone Guevara, sondern wirkt auch - trotz des Authentizitätsgedankens - reichlich unrealisitisch und beschönigt. Die Kämpfe, die Schlammschlachten, der Hunger, die psychologischen Dynamiken innerhalb der Gruppe - alles plätschert so dahin ohne einmal Geistesblitze zu versprühen zu gedenken. Wie gesagt, die Filme machen wohl niemandem Spass.
Bliebe noch der Abgleich mit Soderberghs 2000er Oscarabräumer Traffic anzustellen. Seltsam dieser Gegensatz. In dem Drogengeschichten-Kaleidoskop überkommt dem ganzen Treiben der Zwang zum Affekt. Nichts bleibt unerzählt, alles folgt dem sinnigen narrativen Leitpfad, jede Sequenz findet ihren Platz. Das machte Soderbergh ganz ausgezeichnet, ein wahrer Oscaraspirant, mit dem Blick für die verschiedenen Ebenen des Drogenhandels und -konsums, moralisch zwar, aber nicht belehrend sondern zeigend. Klasse Darstellerleistungen, allesamt. Gesichter für die Geschichten (Benicio del Toro mit seinen 5 Sätzen dort ungemein effektiver und authentischer als seine Che-Schüchternheit). An Traffic gibt es die üblichen Dinge auszusetzen (vor allem das Fehlen einer "Ghetto-Perspektive") und doch ist der Film einfach zu sauber inszeniert - hier gemeint im positiven wie im negativen Sinne - als das er nicht doch gefällt.
Mittwoch, 29. April 2009
Sonntag, 26. April 2009
6. Dokfilmwoche Hamburg 2009
3 dokumentarische Nachwuchswerke aus der dffb ließen auf der diesjährigen Dokfilmwoche aufhorchen. Alle 3 machen es dem Zuschauer nicht leicht, allesamt verbindet die zentrale Frage nach der Exploitation der Subjekte ihrer Abbildung. Die Frage nach Distanz und Nähe zum Dargestellten. Eine Frage, die nicht zuletzt auch moralischer und ethischer Natur ist.
In Heidelberg eröffnet Norman Richter seinen ganz persönlichen Blick auf das Haus der Großeltern, auf Gegenstände, die er mit seinem toten Großvater in Verbindung bringt. Er entwirft Blickbilder, die in ihren jeweiligen Perspektivierungen und Positionierungen nur für ihn Sinn ergeben. Formal löst er sein Anliegen in streng experimental-minimalistischer Gestalt auf. Zunächst spricht er nüchtern über sein Verhältnis zu seinen Großeltern über weißem Bildschirm. Dann zeigt er Bildstilleben ohne Ton (die besagten "eigenen" Bilder). Schließlich hält die Kamera auf seine demenzkranke Großmutter, die verloren mit der Kamera den Satz "Ist er nie mehr da gewesen" repitierend variiert. Richters Film ist zum Einen schwieriges Material, weil es eben "seine" Blicke sind, die von dem Zuschauer mit Bedeutung aufgeladen werden können (nach eigener Aussage wünsche er sich dies). Wenn er das nicht tut, sind die Bilder leer, in ihrer entschleunigten Künstlichkeit sogar anmaßend. Zum Anderen tut sich das angesprochene Problemfeld der Ausbeutung des Dargestellten auf. In diesem Fall sogar noch eine Stufe problembehafteter: Der eigenen Familie. Die schockierende Szene der dementen Frau wirft die Frage nach der Position der am Ende auslaufenden Kamera (erst verschwindet das Bild, dann der Ton) auf. Ist die Großmutter hier noch respektiertes Subjekt oder nicht schon Objekt der schockierenden Wirkung, des erzeugten Mitleids, dessen, "was der Zuschauer sieht" (eine Schau des Zerfalls, des "kurz vor dem Tod sein"). Nicht zuletzt lässt sich an solch einem Filmstudentenwerk trefflich diskutieren über Autorenschaft. Ein aufgeräumt wirkender Richter konnte viele der Bedenken entkräften und gab auch zu Protokoll sich selbst lange Zeit nicht klar gewesen zu sein, ob er diesen Film der Öffentlichkeit präsentiert. Da er es getan hat, muss er sich nun der Kritik stellen.
Die entscheidende Frage nach Nähesuchen und Distanzwahrung bei der Abbildung eines Menschenlebens muss sich auch Sebastian Heidinger in seinem Debut Drifter stellen. Er beobachtet 3 Minderjährige am Berliner Bahnhof Zoologischer Garten beim Heroin Spritzen, Crack rauchen, Obdachlosenasyl aufsuchen, Arztbesuch, Streitereien, Reden über ihr Dasein auf dem Kinderstrich. Heidinger "wohnt ihnen bei", stellt ihren Alltag aus und entzieht sich damit weitestgehend einem Voyeurismus, dem man dem Film nach Sichtung wirklich nicht unterstellen kann. Im Gegenteil: Heidinger integrierte sich in den Alltag, lange bevor er die Kamera anschaltete. Suchte Kontakt und ließ die Kinder entscheiden, was gefilmt wird und was nicht. Viel Interessantes über die Nähe und Distanz zu seinen Figuren gab es im Anschlussgespräch zu erfahren, man kann sich in etwa vorstellen, wie groß die moralische Verantwortung gewesen sein muss (und noch ist). Der Stil ist simples Direct Cinema, perfektioniert, weil die Kamera zwischen Alltagshandlungen und den Zuschauer schon physisch angehenden Szenen (lange nicht mehr so häufig wegsehen müssen) einen sensiblen Mittelweg findet, und das Szenario so authentisch wirken lässt, dass man dieses Nebenher nur durch Reflexion verarbeiten kann.
Wie Heidinger gehört auch Eva Stotz zur Gruppe Super9 um Andres Veiel, die sich über die letzten Semester an der dffb formiert hat. Auch ihr Film Sollbruchstelle bringt uns zurück zur alten Frage nach dem Ausstellen eines Lebenslaufs als Instrumentalisierung für ein Filmkonzept. Ähnlich wie in Richters Heidelberg kommt hier ein naher Verwandter unter die Lupe: Der eigene Vater wird in Stotz Essayfilm zur zentralen Figur, und gerät unversehens in eine Charakterisierung, welche die Filmemacherin nur peripher intendiert haben kann. Die Offenlegung der Persönlichkeit des Vaters - einem zwischen gekränktem Narzissmus und dem Statusdenken der Arbeitsgesellschaft, die der Film primär angklagt, Gefangenen - ist eine schwierige Gratwanderung und eine bewusste Überwindung der Distanz. Der Vater liefert eben gerade der Idee des Films - die emotionale Vergletscherung eines unsolidarischen Kapitalismus sichtbar zu machen - ein Gesicht. Stotz beobachtet gestresste Gesichter in der Bahn und auf den Straßen, beobachtet Managerseminare, Bewerbertraining, humanistische Schulen. Zentral aber erzählt sie die Geschichte ihres Vaters, der seinen Job auf entwürdigende Weise verlor. Am Ende stellt auch sie den Schock aus, zum Einen da ihr Vater weinend den Raum verlässt, zum Anderen weil sie den Selbstmord einer Nebenfigur des Films bekannt gibt. Sollbruchstelle kann es unter den 3 genannten Beispielen vielleicht am Wenigsten vermeiden der Exploitation der Personen anheim zu fallen. So lange darüber reflektiert wird, mag dies auch möglich sein.
Ging es bei den studentischen Arbeiten im Dokumentarfilmsektor vor allem um das Problemfeld Nähe - Distanz, zeigt sich bei Thomas Heises Material eine andere Schwierigkeit. Ihm misslingt vor allem die Anordnung seiner Objekte. Die 166 minütige "Material"-Sammlung ostdeutscher Zeitgeschichte stammt aus nicht verwendetem Footage. Mit "Kill your darlings and revive them" wird das angeworben. Doch heraus kommen viele Szenen der Pre- und Postwendezeit, die zusammenhangslos aneinandermontiert werden. Es geht Heise um keinerlei Erklärungen, vielmehr um Stimmungsgefüge. Das funktioniert immer dann, wenn Beschönigungen und Abmilderungen über den Äther gehen, und dies dann vom Zuschauer dem geschichtlichen Prozess gegenübergestellt werden kann. Vielfach enerviert Material aber auch nur, montiert Passagen nebeneinander, die nur sehr schwerlich Sinn ergeben. Entrhythmisierte Filmrollen. Häufig Interessantes ohne Verbindungspunkte (Der Nazi-Überfall). Ausgestellte Materialsammlungen aus historischen Eckpunkten - klingt nach einem Markt für die Zukunft (Museum).
Einige Preise sahnte Marko Doringer für seine Offenlegung Mein halbes Leben ab. Über die Nähe - Distanz Geschichte traut man sich hier gar nicht mehr zu sprechen. Doringers Eigenbeschau ist selbstausbeutendes Dokumentarmaterial allererster Güte. Hinter der Frage, was denn so Anfang bis Mitte 30-Jährige für Lebenskonzepte errichtet haben erwächst die Idee der gescheiterten Figuren. Jeder hat sein Kreuz zu tragen und seine Mid-Life-Crisis noch vor sich - so lautet die These, auf die hier nur alles allzu perfekt hinauslaufen mag. Nichts endet zu böse, alles bleibt hübsch lakonisch, die "Suchenden" werden nie in ein schlechtes Licht gerückt. Stattdessen positioniert sich der Vorzeige-Gescheiterte (= Regisseur) im Lichtkegel der Eitelkeiten. Ohne verleumderisch daherkommen zu wollen hatte ich permanent das Gefühl einem komplett gestellten Film, sprich einer Mockumentary beizuwohnen. Alles zu perfekt gestriegelt hier. Die Figuren wie Stereotype eingegliedert. Mindestens ein ziemlich durchgefuchstes Drehbuch dürfte zugrunde gelegen haben.
Ein paar Worte noch zum Eröffnungsfilm Am Pier von Apolonovka von Andrei Schwartz, der einen Einblick in das Treiben an einem ukrainischen Pier gibt, dass einst sozialistisches Urlaubsparadies war. Neben dem fehlenden Geschichtsbild wundert der lässige Ton, das wenige Interesse an Geschichten. Ein paar witzige Momente und vielmehr ist da nicht. Betagter Auftakt des Festivals, der niemandem weh tat.
In Heidelberg eröffnet Norman Richter seinen ganz persönlichen Blick auf das Haus der Großeltern, auf Gegenstände, die er mit seinem toten Großvater in Verbindung bringt. Er entwirft Blickbilder, die in ihren jeweiligen Perspektivierungen und Positionierungen nur für ihn Sinn ergeben. Formal löst er sein Anliegen in streng experimental-minimalistischer Gestalt auf. Zunächst spricht er nüchtern über sein Verhältnis zu seinen Großeltern über weißem Bildschirm. Dann zeigt er Bildstilleben ohne Ton (die besagten "eigenen" Bilder). Schließlich hält die Kamera auf seine demenzkranke Großmutter, die verloren mit der Kamera den Satz "Ist er nie mehr da gewesen" repitierend variiert. Richters Film ist zum Einen schwieriges Material, weil es eben "seine" Blicke sind, die von dem Zuschauer mit Bedeutung aufgeladen werden können (nach eigener Aussage wünsche er sich dies). Wenn er das nicht tut, sind die Bilder leer, in ihrer entschleunigten Künstlichkeit sogar anmaßend. Zum Anderen tut sich das angesprochene Problemfeld der Ausbeutung des Dargestellten auf. In diesem Fall sogar noch eine Stufe problembehafteter: Der eigenen Familie. Die schockierende Szene der dementen Frau wirft die Frage nach der Position der am Ende auslaufenden Kamera (erst verschwindet das Bild, dann der Ton) auf. Ist die Großmutter hier noch respektiertes Subjekt oder nicht schon Objekt der schockierenden Wirkung, des erzeugten Mitleids, dessen, "was der Zuschauer sieht" (eine Schau des Zerfalls, des "kurz vor dem Tod sein"). Nicht zuletzt lässt sich an solch einem Filmstudentenwerk trefflich diskutieren über Autorenschaft. Ein aufgeräumt wirkender Richter konnte viele der Bedenken entkräften und gab auch zu Protokoll sich selbst lange Zeit nicht klar gewesen zu sein, ob er diesen Film der Öffentlichkeit präsentiert. Da er es getan hat, muss er sich nun der Kritik stellen.
Die entscheidende Frage nach Nähesuchen und Distanzwahrung bei der Abbildung eines Menschenlebens muss sich auch Sebastian Heidinger in seinem Debut Drifter stellen. Er beobachtet 3 Minderjährige am Berliner Bahnhof Zoologischer Garten beim Heroin Spritzen, Crack rauchen, Obdachlosenasyl aufsuchen, Arztbesuch, Streitereien, Reden über ihr Dasein auf dem Kinderstrich. Heidinger "wohnt ihnen bei", stellt ihren Alltag aus und entzieht sich damit weitestgehend einem Voyeurismus, dem man dem Film nach Sichtung wirklich nicht unterstellen kann. Im Gegenteil: Heidinger integrierte sich in den Alltag, lange bevor er die Kamera anschaltete. Suchte Kontakt und ließ die Kinder entscheiden, was gefilmt wird und was nicht. Viel Interessantes über die Nähe und Distanz zu seinen Figuren gab es im Anschlussgespräch zu erfahren, man kann sich in etwa vorstellen, wie groß die moralische Verantwortung gewesen sein muss (und noch ist). Der Stil ist simples Direct Cinema, perfektioniert, weil die Kamera zwischen Alltagshandlungen und den Zuschauer schon physisch angehenden Szenen (lange nicht mehr so häufig wegsehen müssen) einen sensiblen Mittelweg findet, und das Szenario so authentisch wirken lässt, dass man dieses Nebenher nur durch Reflexion verarbeiten kann.
Wie Heidinger gehört auch Eva Stotz zur Gruppe Super9 um Andres Veiel, die sich über die letzten Semester an der dffb formiert hat. Auch ihr Film Sollbruchstelle bringt uns zurück zur alten Frage nach dem Ausstellen eines Lebenslaufs als Instrumentalisierung für ein Filmkonzept. Ähnlich wie in Richters Heidelberg kommt hier ein naher Verwandter unter die Lupe: Der eigene Vater wird in Stotz Essayfilm zur zentralen Figur, und gerät unversehens in eine Charakterisierung, welche die Filmemacherin nur peripher intendiert haben kann. Die Offenlegung der Persönlichkeit des Vaters - einem zwischen gekränktem Narzissmus und dem Statusdenken der Arbeitsgesellschaft, die der Film primär angklagt, Gefangenen - ist eine schwierige Gratwanderung und eine bewusste Überwindung der Distanz. Der Vater liefert eben gerade der Idee des Films - die emotionale Vergletscherung eines unsolidarischen Kapitalismus sichtbar zu machen - ein Gesicht. Stotz beobachtet gestresste Gesichter in der Bahn und auf den Straßen, beobachtet Managerseminare, Bewerbertraining, humanistische Schulen. Zentral aber erzählt sie die Geschichte ihres Vaters, der seinen Job auf entwürdigende Weise verlor. Am Ende stellt auch sie den Schock aus, zum Einen da ihr Vater weinend den Raum verlässt, zum Anderen weil sie den Selbstmord einer Nebenfigur des Films bekannt gibt. Sollbruchstelle kann es unter den 3 genannten Beispielen vielleicht am Wenigsten vermeiden der Exploitation der Personen anheim zu fallen. So lange darüber reflektiert wird, mag dies auch möglich sein.
Ging es bei den studentischen Arbeiten im Dokumentarfilmsektor vor allem um das Problemfeld Nähe - Distanz, zeigt sich bei Thomas Heises Material eine andere Schwierigkeit. Ihm misslingt vor allem die Anordnung seiner Objekte. Die 166 minütige "Material"-Sammlung ostdeutscher Zeitgeschichte stammt aus nicht verwendetem Footage. Mit "Kill your darlings and revive them" wird das angeworben. Doch heraus kommen viele Szenen der Pre- und Postwendezeit, die zusammenhangslos aneinandermontiert werden. Es geht Heise um keinerlei Erklärungen, vielmehr um Stimmungsgefüge. Das funktioniert immer dann, wenn Beschönigungen und Abmilderungen über den Äther gehen, und dies dann vom Zuschauer dem geschichtlichen Prozess gegenübergestellt werden kann. Vielfach enerviert Material aber auch nur, montiert Passagen nebeneinander, die nur sehr schwerlich Sinn ergeben. Entrhythmisierte Filmrollen. Häufig Interessantes ohne Verbindungspunkte (Der Nazi-Überfall). Ausgestellte Materialsammlungen aus historischen Eckpunkten - klingt nach einem Markt für die Zukunft (Museum).
Einige Preise sahnte Marko Doringer für seine Offenlegung Mein halbes Leben ab. Über die Nähe - Distanz Geschichte traut man sich hier gar nicht mehr zu sprechen. Doringers Eigenbeschau ist selbstausbeutendes Dokumentarmaterial allererster Güte. Hinter der Frage, was denn so Anfang bis Mitte 30-Jährige für Lebenskonzepte errichtet haben erwächst die Idee der gescheiterten Figuren. Jeder hat sein Kreuz zu tragen und seine Mid-Life-Crisis noch vor sich - so lautet die These, auf die hier nur alles allzu perfekt hinauslaufen mag. Nichts endet zu böse, alles bleibt hübsch lakonisch, die "Suchenden" werden nie in ein schlechtes Licht gerückt. Stattdessen positioniert sich der Vorzeige-Gescheiterte (= Regisseur) im Lichtkegel der Eitelkeiten. Ohne verleumderisch daherkommen zu wollen hatte ich permanent das Gefühl einem komplett gestellten Film, sprich einer Mockumentary beizuwohnen. Alles zu perfekt gestriegelt hier. Die Figuren wie Stereotype eingegliedert. Mindestens ein ziemlich durchgefuchstes Drehbuch dürfte zugrunde gelegen haben.
Ein paar Worte noch zum Eröffnungsfilm Am Pier von Apolonovka von Andrei Schwartz, der einen Einblick in das Treiben an einem ukrainischen Pier gibt, dass einst sozialistisches Urlaubsparadies war. Neben dem fehlenden Geschichtsbild wundert der lässige Ton, das wenige Interesse an Geschichten. Ein paar witzige Momente und vielmehr ist da nicht. Betagter Auftakt des Festivals, der niemandem weh tat.
Sonntag, 19. April 2009
3 x Russ Meyer
Ein kleiner, verkannter Exploitationschatz aus den Händen Russ Meyers ist sein Sklavenstück Black Snake. Entgegen Meyers üblichem Gusto haben die Frauen hier keine Riesenbrüste, sind dafür aber auch ordentlich fies. Ganz im Sinne einer klassisch-mysogenen Antagonistin domestiziert, dominiert, traktiert und eifersüchtelt Anouska Hempel durch den Film und benutzt gerne mal die Worte "Nigger" und "Nutte" und diese beiden auch gerne in Kombination (siehe Eifersucht). Entgegen der Plotlinie entwickelt Meyer trotzdem eine erstaunliche Handschrift in dem Film, alles steht in Kontakt mit der obzönen Lady und wird sexuell aufgeladen, obwohl nur selten direkt werdend. Körperlich wird es trotzdem, vor allem als der aufständige Anführer des Sklavenaufstands gekreuzigt und in für Meyer-Filme harte Manier gefoltert wird. So lässt sich Black Snake zwischen Exploitation, Blaxploitation und Kolonialdrama irgendwie schwer fassen, stellt in seiner exotischen Kulisse aber eine außergewöhnlich entrücktes Faszinosum dar. Fragen nach dem Dualismus von Zivilisation und Wildheit werden da dann nicht mehr gestellt.
Russ Meyers wohl schönster, durchgeknalltester und freidrehendster Film ist mit Sicherheit seine 76er Ausverschämtheit Up! Freizügig, offenherzig, ordinär und hochsatirisch arbeitet sich der Film an seiner politisch unkorrekten Geschichte um Adolf Schwarz Piranha-Mord ab. Bevor Adolf aber zu Marschmusik einen blutigen Abgang macht, wird er nochmal im Folterkeller zum devoten Sexsklaven degradiert. "Der ferne Osten macht mir seine Aufwartung!" Und nicht nur der. Äthiopische Dominas und vor allem auch der gute Paul und sein Dödel müssen herhalten für Adolfs perverse Keller-Spielchen. Dann wird Drunter, Drüber und Drauf - so der hübsche deutsche Titel - zur bloßen, freudestrahlenden Nummernrevue an Vulgaritäten in die eingebettet weiterhin diese bizarr-burleske Krimigeschichte um den Tod des armen Adolf ist.
Bevor Russ Meyer so richtig durchstartete schaffte er 1964 mit Lorna eine Art Ausgangslage des männlichen Dualismus im sexuellen Umgang mit der Frau. Lorna ist eine heiße Blondine, die einen Mann hat, der sie liebt. So sehr, dass sie für ihn zur heiligen Statue, zum unberührbaren Engel wird. Folglich ist die Lady - Meyers Blick auf den nicht zu zügelnden weiblichen Lustappetit - unbefriedigt. Als Gegenstück zum treuherzigen, aber plumpen Ehewaschlappen wird sie von einem aus dem Gefängnis geflohenen und in jeder Hinsicht ausgedursteten Häftling beim Nacktbaden erwischt. Aus Vergewaltigung wird ein devotes Ergeben in die Situation und die letztendliche finale Befriedigung. Der Ehemann seinerseits kommt - mit seinen Arbeitskollegen, einem Frauenschläger und einem Dorftrottel - frühzeitig nach Hause und der Film endet im Duell vor dem Haus. Meyer etabliert vielleicht als Unikum in seinem Oevre einen Blick auf männliche Begehrenstrukturen. Zwischen abnormaler Vergötterung und objektbezogener Selbstbefriedigung steckt der Mann gefangen, die Frau interessanterweise - auch hier nur ein lüsternes Objekt - bleibt die Wahl zwischen guter Ehegattin, die umsorgt wird oder schlechter Ehegattin, die sich um ihren Liebhaber kümmert. In jedem Fall bleibt sie Heimchen und bricht aus den Strukturen nicht aus. So lange der Sextrieb befriedigt ist, bleibt sie kontrollierbar. In Meyers späteren Filmen wird sich das radikal ändern.
Russ Meyers wohl schönster, durchgeknalltester und freidrehendster Film ist mit Sicherheit seine 76er Ausverschämtheit Up! Freizügig, offenherzig, ordinär und hochsatirisch arbeitet sich der Film an seiner politisch unkorrekten Geschichte um Adolf Schwarz Piranha-Mord ab. Bevor Adolf aber zu Marschmusik einen blutigen Abgang macht, wird er nochmal im Folterkeller zum devoten Sexsklaven degradiert. "Der ferne Osten macht mir seine Aufwartung!" Und nicht nur der. Äthiopische Dominas und vor allem auch der gute Paul und sein Dödel müssen herhalten für Adolfs perverse Keller-Spielchen. Dann wird Drunter, Drüber und Drauf - so der hübsche deutsche Titel - zur bloßen, freudestrahlenden Nummernrevue an Vulgaritäten in die eingebettet weiterhin diese bizarr-burleske Krimigeschichte um den Tod des armen Adolf ist.
Bevor Russ Meyer so richtig durchstartete schaffte er 1964 mit Lorna eine Art Ausgangslage des männlichen Dualismus im sexuellen Umgang mit der Frau. Lorna ist eine heiße Blondine, die einen Mann hat, der sie liebt. So sehr, dass sie für ihn zur heiligen Statue, zum unberührbaren Engel wird. Folglich ist die Lady - Meyers Blick auf den nicht zu zügelnden weiblichen Lustappetit - unbefriedigt. Als Gegenstück zum treuherzigen, aber plumpen Ehewaschlappen wird sie von einem aus dem Gefängnis geflohenen und in jeder Hinsicht ausgedursteten Häftling beim Nacktbaden erwischt. Aus Vergewaltigung wird ein devotes Ergeben in die Situation und die letztendliche finale Befriedigung. Der Ehemann seinerseits kommt - mit seinen Arbeitskollegen, einem Frauenschläger und einem Dorftrottel - frühzeitig nach Hause und der Film endet im Duell vor dem Haus. Meyer etabliert vielleicht als Unikum in seinem Oevre einen Blick auf männliche Begehrenstrukturen. Zwischen abnormaler Vergötterung und objektbezogener Selbstbefriedigung steckt der Mann gefangen, die Frau interessanterweise - auch hier nur ein lüsternes Objekt - bleibt die Wahl zwischen guter Ehegattin, die umsorgt wird oder schlechter Ehegattin, die sich um ihren Liebhaber kümmert. In jedem Fall bleibt sie Heimchen und bricht aus den Strukturen nicht aus. So lange der Sextrieb befriedigt ist, bleibt sie kontrollierbar. In Meyers späteren Filmen wird sich das radikal ändern.
Sonntag, 29. März 2009
Wild Style! / Grey Gardens / Tanz der Vampire
Geradezu wundervoll verloren ergibt sich das Hip Hop Urgestein Wild Style! in seine Welt der Subkultur des New Yorker Ghettos Anfang der 80er Jahre. Immer wieder verharrt er an seinen Schauplätzen und lässt die einzelnen Disziplinen der Kultur für sich sprechen. Das wirkt dann auch nicht zuletzt aufgrund der realen Figuren auf dem Bildfeld außerordentlich authentisch. Die Geschichte an sich ist nicht sonderlich prägnant, die Schauspieler sind Laien, beherrscht wird alles eindeutig von der sich stets im Vordergrund befindenden Subkultur, dem eindringlichen Score, den gebombten Zügen, die vorbeirauschen, den wuselnden Menschenmassen, den Rhymes, dem Flair. Wild Style! versteht es seine Euphorie über die frische, lebendige, freigeistige Jugendkultur nach außen zu transportieren.
Im Dokumentarklassiker und Ausnahmefilm Grey Gardens beobachten 5 Filmemacher im Sommer 1975 die Tante und Cousine von Jackie Kennedy. Das Bemerkenswerte an den "Objekten der Kamerabegierde" sind ihre reflexartigen Bewegungen in den hysterischen Gedankengebäuden in denen sie leben. Sie bewohnen diese scheinbar gar, denn ihre Behausung sieht aus wie der neurotische Schrottplatz ihres Verhaltens. Zwischen Schimmel und Messibergen werden die Ladies zu hollywoodstar-aliken Protagonistinnen, die wie im Musical singen und tanzen und ihre Rollen perfekt einstudiert haben. Ein seltsames Beziehungsgeflecht geht der Zuschauer vor allem mit der Cousine Kennedys ein, zwischen staunendem Voyeurismus unsererseits und einer in der eigenen Welt gefangenen Selbstdarstellung ihrerseits entwickelt sich eine ungeahnte Dynamik. Es ist beinahe anstrengend ihrer Liebe zur Kamera (oder auch: Filmemachern? Oder eben: Zuschauern?) zum "Opfer" zufallen. Dieses abstrakte Haus, in dem gefilmt wurde, wird am Ende ein Schauort eines grotesken, fast gefühlt fiktionalen Ereignisses. Bleibt allein die Frage: Wieviel Anteil haben noch die Filmemacher an diesem Werk, dass allein durch die sich selbst als Subjekt wahrnehmenden Objekte lebt?
Dank der schaurig-schönen In- wie Exterieur, dank der vielfältig umsäumenden Musik und dank der Atmosphäre der expressiven Abgeschiedenheit lässt sich Roman Polanskis Tanz der Vampire auch heute noch genießen, selbst wenn einen der eine oder andere Witz eher unbehelligt lassen. Fragte mich aber, ob man den Film heutzutage bei den Konstellationen Polanski - Tate - Vampir noch so realitätsfern sehen kann. Ich musste jedenfalls immer wenn Tates Gesicht die Bildfläche erklomm dieses Gefühl verdauen, was aufkommt, wenn man längst auf unschöne Art und Weise Verblichene in alten Filmen wiederentdeckt. Die Allegorie der von oben herab regierenden Aristokraten (die hier eben Blut saugen, statt die Bürger anders zu ärgern) soll noch erwähnt sein. Ansonsten: Kino für die leichte Unterhaltung am Abend.
Im Dokumentarklassiker und Ausnahmefilm Grey Gardens beobachten 5 Filmemacher im Sommer 1975 die Tante und Cousine von Jackie Kennedy. Das Bemerkenswerte an den "Objekten der Kamerabegierde" sind ihre reflexartigen Bewegungen in den hysterischen Gedankengebäuden in denen sie leben. Sie bewohnen diese scheinbar gar, denn ihre Behausung sieht aus wie der neurotische Schrottplatz ihres Verhaltens. Zwischen Schimmel und Messibergen werden die Ladies zu hollywoodstar-aliken Protagonistinnen, die wie im Musical singen und tanzen und ihre Rollen perfekt einstudiert haben. Ein seltsames Beziehungsgeflecht geht der Zuschauer vor allem mit der Cousine Kennedys ein, zwischen staunendem Voyeurismus unsererseits und einer in der eigenen Welt gefangenen Selbstdarstellung ihrerseits entwickelt sich eine ungeahnte Dynamik. Es ist beinahe anstrengend ihrer Liebe zur Kamera (oder auch: Filmemachern? Oder eben: Zuschauern?) zum "Opfer" zufallen. Dieses abstrakte Haus, in dem gefilmt wurde, wird am Ende ein Schauort eines grotesken, fast gefühlt fiktionalen Ereignisses. Bleibt allein die Frage: Wieviel Anteil haben noch die Filmemacher an diesem Werk, dass allein durch die sich selbst als Subjekt wahrnehmenden Objekte lebt?
Dank der schaurig-schönen In- wie Exterieur, dank der vielfältig umsäumenden Musik und dank der Atmosphäre der expressiven Abgeschiedenheit lässt sich Roman Polanskis Tanz der Vampire auch heute noch genießen, selbst wenn einen der eine oder andere Witz eher unbehelligt lassen. Fragte mich aber, ob man den Film heutzutage bei den Konstellationen Polanski - Tate - Vampir noch so realitätsfern sehen kann. Ich musste jedenfalls immer wenn Tates Gesicht die Bildfläche erklomm dieses Gefühl verdauen, was aufkommt, wenn man längst auf unschöne Art und Weise Verblichene in alten Filmen wiederentdeckt. Die Allegorie der von oben herab regierenden Aristokraten (die hier eben Blut saugen, statt die Bürger anders zu ärgern) soll noch erwähnt sein. Ansonsten: Kino für die leichte Unterhaltung am Abend.
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Roman Polanski
Donnerstag, 19. März 2009
Fantasy Film Fest Nights 2009
Lond Weekend - 1978 - ein Ozploitationer von Colin Egglestone. Und ein Film mit dem Blick fürs Detail. Der nicht greifbaren Umwelt geschuldet, vielleicht. Ein Monster gibt es nicht (Die Seekuh? Nee, nicht wirklich), stattdessen Geräusche, Kleingetier, ein schwarzer Schatten im Meer, ein hängender Taucheranzug, ein Pfeil, eine Kippe, eine Flasche, einen Cowboy der wild um sich schießt, einen fortwährenden Ehekrach. Alles schön beobachtet, aber nicht gruselig und keine Filmidee, die 90 Minuten durchhält. Was nicht schlimm ist, nur ein bisschen schade, denn grundsätzlich ist der Grundgedanke toll und findet hier und da auch eine nette Umsetzung (die Musik, einzelne Ideen und Effekte). Hätte man also nur besser machen müssen, vielleicht, wenn es denn daran haperte. Dass dem eventuell nicht so ist, würde dann vielleicht Jamie Blanks Remake von Long Weekend aus diesem Jahr beweisen. Denn dem Film mangelt es beinahe, wenn nicht gar ausnahmslos an denselben Kleinigkeiten. Wieder wirkt alles so seltsam unrund, inkohärent, in die Länge gezogen. Wieder möchte man den Film doch mögen, doch wieder gelingt es nur auf nicht-affektiver Ebene. Wieder sagt man "Schade!" und jetzt kann man nicht mal mehr hoffen, dass es dann vielleicht ein anderes Mal besser gemacht wird.
Meinen zweiten Beitrag der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights war mit [font="Arial Black"]Splinter[/font] - und nun halten sie sich fest, meine Damen und Herren - beinahe Gleiches vorzuwerfen (machen wir nicht, sowas) wie dem Aussi: Trotz perfektem Kammerspielambiente (Tankstelle) kommt irgendwie kein rechtes Licht in die Sache. Und das kann man getrost so sagen, denn leider merkt man dem "Film mit einer schönen Idee" (schon wieder Selbstzitat) an, dass er nicht allzu viel Geld übrig hatte. Gerade die bösen Szenen sind doch ziemlich hingehunzt bzw. so im Dunklen verborgen oder herangezoomt, dass man ihnen nichts mehr abgewinnen kann. Bleibt schon wieder nichts weiter übrig, als dieses blöde "Schade!"
Meinen zweiten Beitrag der diesjährigen Fantasy Filmfest Nights war mit [font="Arial Black"]Splinter[/font] - und nun halten sie sich fest, meine Damen und Herren - beinahe Gleiches vorzuwerfen (machen wir nicht, sowas) wie dem Aussi: Trotz perfektem Kammerspielambiente (Tankstelle) kommt irgendwie kein rechtes Licht in die Sache. Und das kann man getrost so sagen, denn leider merkt man dem "Film mit einer schönen Idee" (schon wieder Selbstzitat) an, dass er nicht allzu viel Geld übrig hatte. Gerade die bösen Szenen sind doch ziemlich hingehunzt bzw. so im Dunklen verborgen oder herangezoomt, dass man ihnen nichts mehr abgewinnen kann. Bleibt schon wieder nichts weiter übrig, als dieses blöde "Schade!"
Sonntag, 8. März 2009
Fantasy Film Fest 2008 # 7
2 x Frankreich: Crossfire ist ein solider französischer Copthriller, der mit einer feinen Assault on Precinct 13 Hommage - einem schön anzuschauenden Shootout - endet. Der französische Silence of the Lambs heißt Melody's Smile und kommt einige Jahre verspätet könnte man meinen. Auch bei diesem Profiler-Thriller solides Handwerk an vorderster Front. Besitzt ein gut getimetes Ende, wenngleich sich stets zu augenscheinlich fleißig von den Vorbildern bedient wurde.
Ein Film wie der griechische (dort gibt es eine Filmindustrie?) Tale 52 hat es bei so einem Festival schwer. Der Body Cinema Psychotrip ist schwere Arthousekost mit Sorgenfalten auf der Stirn, und nicht so wirklich massenkompatibel. Arthouse wollte irgendwie auch das seltsame Remake von Sasori sein - Als hätte eine Wong Kar Wai Epigone einen B-Movie im vollkommen neuen Gewand nachgedreht.
Was vom Sommer übrig blieb? Summer Scars - der britische Low-Budget-Jugend-Krimi. In der Ästhetik eines Filmhochschulabschlussfilms. Seltsam. Ideenlos. Downloading Nancy in bewährter Sundance-Optik mit provokantem Thema, dass alles in allem aber solide und unaufgeregt umgesetzt wird. Kein Grund zum Feiern, keiner zum Ausrasten.
+++
Ein Film wie der griechische (dort gibt es eine Filmindustrie?) Tale 52 hat es bei so einem Festival schwer. Der Body Cinema Psychotrip ist schwere Arthousekost mit Sorgenfalten auf der Stirn, und nicht so wirklich massenkompatibel. Arthouse wollte irgendwie auch das seltsame Remake von Sasori sein - Als hätte eine Wong Kar Wai Epigone einen B-Movie im vollkommen neuen Gewand nachgedreht.
+++
Was vom Sommer übrig blieb? Summer Scars - der britische Low-Budget-Jugend-Krimi. In der Ästhetik eines Filmhochschulabschlussfilms. Seltsam. Ideenlos. Downloading Nancy in bewährter Sundance-Optik mit provokantem Thema, dass alles in allem aber solide und unaufgeregt umgesetzt wird. Kein Grund zum Feiern, keiner zum Ausrasten.
Montag, 2. März 2009
Fantasy Film Fest 2008 # 6
Wer hat es jetzt nicht in die begehrten, ersten 5 Einträge geschafft?
Zum Einen wäre dort Mirrors zu nennen. Zu dem könnte man jetzt lange Abhandlungen schreiben, wie man als talentierter Regisseur eben keinen solchen Film in Hollywood drehen sollte. Oder man beschwert sich nur kurz darüber, dass Alexandre Ajas Neuster zwar gründlich und überzeugend inszeniert sein mag, sich aber doch nur uralter Motive bedient, ohne dem Geisterhausgenre etwas hinzuzufügen. Hollywoodhorror pur, die Brutalität der Morde wird schnell ausgeglichen durch Sutherlands starkes Familien-Erretter-Motiv. Die Auflösung aus dem übernatürliche Verschwörung vs Schizophreniekonflikt kennt man nun auch schon.
Hier im zusammengekratzten Rest zu erscheinen, bedeutet aber bitte schön nicht automatisch großer Mist gewesen zu sein. Ich kam in das Vergnügen die Manga-Spielerei Afro Samurai gleich zweimal sehen zu dürfen. Der feine Genremix aus asiatischen und afroamerikanischen Motiven zeigt das Leben als steten Kampf, das Spektakel benötigt keine Narration und verliert sich in den vorbei fliegenden Bildern. Da die Chose mit der Zeit ziemlich monoton wird, muss man sich erbauen am - von Wu-Tanger RZA beigesteuerten - Score und der grimmigen Attitüde, die Afro Samurai doch äußerst sympathisch dauerbelebt.
Ole Bornedal zeigt sich nach einigen Jahren auf Tauchgang wieder gleich mit zwei Filmen. The Substitute habe ich noch nicht gesehen, Just Another Love Story auf dem Festival. Der stark überkonstruierte Neo-Noir bewegt sich zunächst technisch noch im Zickzack, wird später dann aber inkohärenter Weise ruhiger. Seine Schauspieler (Nikolaj Lie Kaas) sind ihm übergeordnet wichtig, dass schon (wieder) etwas Hollywoodflavour aufkommt. Er besteht auf den emotionalen Impakt, den seine versponnene Story aber nicht mehr her gibt.
Der koreanische Abschlussfilm The Chaser ist ein opulentes Narrativik-Kaleidoskop, düster, virulent, böse. Ein enthusiastischer Drehkreisel, der hier und da an Schwung verliert in seinem Bestreben traditionelle Plotlinien zu durchbrechen, doch am Ende eindrucksvoll zurückschlägt, indem er - ganz altmodisch - die Tragik am klassischen Schuldmotiv entfaltet.
Zum Einen wäre dort Mirrors zu nennen. Zu dem könnte man jetzt lange Abhandlungen schreiben, wie man als talentierter Regisseur eben keinen solchen Film in Hollywood drehen sollte. Oder man beschwert sich nur kurz darüber, dass Alexandre Ajas Neuster zwar gründlich und überzeugend inszeniert sein mag, sich aber doch nur uralter Motive bedient, ohne dem Geisterhausgenre etwas hinzuzufügen. Hollywoodhorror pur, die Brutalität der Morde wird schnell ausgeglichen durch Sutherlands starkes Familien-Erretter-Motiv. Die Auflösung aus dem übernatürliche Verschwörung vs Schizophreniekonflikt kennt man nun auch schon.
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Hier im zusammengekratzten Rest zu erscheinen, bedeutet aber bitte schön nicht automatisch großer Mist gewesen zu sein. Ich kam in das Vergnügen die Manga-Spielerei Afro Samurai gleich zweimal sehen zu dürfen. Der feine Genremix aus asiatischen und afroamerikanischen Motiven zeigt das Leben als steten Kampf, das Spektakel benötigt keine Narration und verliert sich in den vorbei fliegenden Bildern. Da die Chose mit der Zeit ziemlich monoton wird, muss man sich erbauen am - von Wu-Tanger RZA beigesteuerten - Score und der grimmigen Attitüde, die Afro Samurai doch äußerst sympathisch dauerbelebt.
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Ole Bornedal zeigt sich nach einigen Jahren auf Tauchgang wieder gleich mit zwei Filmen. The Substitute habe ich noch nicht gesehen, Just Another Love Story auf dem Festival. Der stark überkonstruierte Neo-Noir bewegt sich zunächst technisch noch im Zickzack, wird später dann aber inkohärenter Weise ruhiger. Seine Schauspieler (Nikolaj Lie Kaas) sind ihm übergeordnet wichtig, dass schon (wieder) etwas Hollywoodflavour aufkommt. Er besteht auf den emotionalen Impakt, den seine versponnene Story aber nicht mehr her gibt.
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Der koreanische Abschlussfilm The Chaser ist ein opulentes Narrativik-Kaleidoskop, düster, virulent, böse. Ein enthusiastischer Drehkreisel, der hier und da an Schwung verliert in seinem Bestreben traditionelle Plotlinien zu durchbrechen, doch am Ende eindrucksvoll zurückschlägt, indem er - ganz altmodisch - die Tragik am klassischen Schuldmotiv entfaltet.
Sonntag, 1. März 2009
Fantasy Film Fest 2008 # 5
Dieses letztjährige Fantasy Filmfest wäre nicht fertig besprochen ohne Mad Detective erwähnt zu haben. Johnnie To und Wai Ka Fai erzählen die Geschichte eines schizophrenen Cops in subjektiver Perspektive. Das wilde Unterfangen gelingt überraschenderweise, dank der Stilsicherheit mit der die beiden Regisseure das Genre des Hong Kong Cop Thrillers perspektivisch neu formatieren. Der Gestus eines postklassischen Noirs trifft auf eine tragische Komödie, welche sich dank der liebevollen Annäherung der Macher an ihre Figuren entwickeln darf. Trotz des durchweg angenehmen Tons lässt sich der schreiende Pessismismus, den der Film transportiert, nicht unterkriegen. Technisch versiert, audiovisuell brillant und äußerst experimentierfreudig endet der Schelm in einem Oldschool-Spiegel-Shootout, welches den unerwarteten Reißer letztlich angemessen abrundet.
Dieses letztjährige Fantasy Filmfest wäre nicht denkbar ohne den Festival-Radikalo Martyrs. Pascal Laugiers Versuchsanordnung im Folterfilm-ABC heutiger Tage ist echtes Körperkino, ein Brecher, blutig, aber nicht laut; schockierend, aber kein affektheischendes Kino. Er kennt seine Vorbilder der jüngsten Vergangeheit und wendet sich doch von ihnen ab. Ein banales Gut-Böse-Schema wird nicht aufgemacht, an einer reinen Rachegeschichte ist es ihm nicht gelegen. Vielmehr bricht er diese, indem er auf Anti-Karthatische Weise eine Erzählrichtung wählt, die trotz der narrativen Verästelungen der - so scheint es manchmal - etwas desorientierten Geschichte, unangenehm ungebrochen auf den Zuschauer losgelassen wird. Martyrs erzählt zunächst von Traumata und Schizophrenie, schaut im Mittelteil in den "Keller" der mittelständischen, glücklichen Familie und beendet sein Szenario mit einem kaum noch reflektierbaren, stoischen Spiel des "torture porn", dessen Begrifflichkeit sich hier so beileibe nicht mehr anwenden lässt. Ob das nun sehr abgefeimt oder zynisch ist, mag ich gar nicht beurteilen. Ein Film, der einen in der Ratlosigkeit zurück Gebliebenen zur Zweitsichtung auffordert.
Das letztjährige Fantasy Film Fest bekam einen hübschen Schub auch durch einen kleinen, bösen Briten: Donkey Punch von Oliver Blackburn beginnt als stylischer Trip in jugendlichen Hedonismus. Drei schicksenhafte Mädels und drei schnöselige Machos machen einen Trip auf einer Yacht vor der Küste Mallorcas. Drogen, Sex und Musik machen dem vergnügungssüchtigen Publikum Spass, so lange bis die unangenehme Realität einbricht. Der Film wendet sich vom Videoclip zum hysterischen Szenario, in dem es heißt: Hier denkt jeder nur an seine eigene Haut, das Tier Mensch wird zum unberechenbarsten Gegner, alles endet in Mord- und Totschlag wie es schon die Bibel predigt. Auch wenn der Film nach seinem geschickt bedienten Affirmations-/Kritikdualismus am Ende in purer Metzelei untergeht, macht er in seiner Kammerspiel-Dystopie doch Sinn und hat tatsächlich mehr zu erzählen als der durchschnittliche Genrevertreter.
Das letztjährige Fantasy Film Fest wäre nicht, was es war, gäbe es da nicht diesen Geheimtipp, den sich irgendwie niemand angesehen hat. Noch so ein kleiner Brite, und noch so ein Kammerspiel, dass einen gesamtgesellschaftlichen Moment erfasst. Sehr reduziert und fokussiert auf sein Anliegen erzählt Senseless die Geschichte eines Mannes, der von maskierten Kidnappern in einem weißen, leeren Raum gefangen gehalten wird, und tagtäglich Gliedmaßen verliert, muss mit seinem Körper buchstäblich für die Weltpolitik seines Landes, der USA herhalten. Dem exploitativen Gestus Politik mit Horror, Folter und Ekel zu verbinden, liegt weitaus mehr inne als man es vom Papier her annehmen könnte. Simon Hynd geht es um ideologische Grabenkämpfe und gefühlskalten Antihumanismus, der sich in der Verteidigung vermeintlich richtiger Werte Bahn brechen kann. Im Grunde genommen handelt es sich bei Senseless um eine Skizze eines modernen Terrorismus, funktional eingebettet in einen schockierenden Erzählartefakt.
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Dieses letztjährige Fantasy Filmfest wäre nicht denkbar ohne den Festival-Radikalo Martyrs. Pascal Laugiers Versuchsanordnung im Folterfilm-ABC heutiger Tage ist echtes Körperkino, ein Brecher, blutig, aber nicht laut; schockierend, aber kein affektheischendes Kino. Er kennt seine Vorbilder der jüngsten Vergangeheit und wendet sich doch von ihnen ab. Ein banales Gut-Böse-Schema wird nicht aufgemacht, an einer reinen Rachegeschichte ist es ihm nicht gelegen. Vielmehr bricht er diese, indem er auf Anti-Karthatische Weise eine Erzählrichtung wählt, die trotz der narrativen Verästelungen der - so scheint es manchmal - etwas desorientierten Geschichte, unangenehm ungebrochen auf den Zuschauer losgelassen wird. Martyrs erzählt zunächst von Traumata und Schizophrenie, schaut im Mittelteil in den "Keller" der mittelständischen, glücklichen Familie und beendet sein Szenario mit einem kaum noch reflektierbaren, stoischen Spiel des "torture porn", dessen Begrifflichkeit sich hier so beileibe nicht mehr anwenden lässt. Ob das nun sehr abgefeimt oder zynisch ist, mag ich gar nicht beurteilen. Ein Film, der einen in der Ratlosigkeit zurück Gebliebenen zur Zweitsichtung auffordert.
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Das letztjährige Fantasy Film Fest bekam einen hübschen Schub auch durch einen kleinen, bösen Briten: Donkey Punch von Oliver Blackburn beginnt als stylischer Trip in jugendlichen Hedonismus. Drei schicksenhafte Mädels und drei schnöselige Machos machen einen Trip auf einer Yacht vor der Küste Mallorcas. Drogen, Sex und Musik machen dem vergnügungssüchtigen Publikum Spass, so lange bis die unangenehme Realität einbricht. Der Film wendet sich vom Videoclip zum hysterischen Szenario, in dem es heißt: Hier denkt jeder nur an seine eigene Haut, das Tier Mensch wird zum unberechenbarsten Gegner, alles endet in Mord- und Totschlag wie es schon die Bibel predigt. Auch wenn der Film nach seinem geschickt bedienten Affirmations-/Kritikdualismus am Ende in purer Metzelei untergeht, macht er in seiner Kammerspiel-Dystopie doch Sinn und hat tatsächlich mehr zu erzählen als der durchschnittliche Genrevertreter.
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Das letztjährige Fantasy Film Fest wäre nicht, was es war, gäbe es da nicht diesen Geheimtipp, den sich irgendwie niemand angesehen hat. Noch so ein kleiner Brite, und noch so ein Kammerspiel, dass einen gesamtgesellschaftlichen Moment erfasst. Sehr reduziert und fokussiert auf sein Anliegen erzählt Senseless die Geschichte eines Mannes, der von maskierten Kidnappern in einem weißen, leeren Raum gefangen gehalten wird, und tagtäglich Gliedmaßen verliert, muss mit seinem Körper buchstäblich für die Weltpolitik seines Landes, der USA herhalten. Dem exploitativen Gestus Politik mit Horror, Folter und Ekel zu verbinden, liegt weitaus mehr inne als man es vom Papier her annehmen könnte. Simon Hynd geht es um ideologische Grabenkämpfe und gefühlskalten Antihumanismus, der sich in der Verteidigung vermeintlich richtiger Werte Bahn brechen kann. Im Grunde genommen handelt es sich bei Senseless um eine Skizze eines modernen Terrorismus, funktional eingebettet in einen schockierenden Erzählartefakt.
Samstag, 28. Februar 2009
Shortys Dezember 2008
Australia
Edelkitsch auf großer Leinwand, erzreaktionär, hoch banal, ein Ärgernis wie jeder Film von Luhrmann.
Saw V
pure Nummernrevue in billigster Videoclipästhetik, die jede Dramaturgie und Figurengestaltung im Ansatz zunichte machen. Vorläufiger Tiefpunkt der Serie.
Náufragos - Stranded
Low-Fi-Science-Fiction ohne Esprit.
Rofuto - Loft
Atmosphärischer J-Horror. Für einen Kurosawa aber eine herbe Enttäuschung.
The Boss of it All
Van Triers neoliberale Büroanordnung. Furchtbar Fremdschamschau. Bei humorvollem Umgang mit dem Thema empfehle ich aber doch eher The Office.
Transporter 3
Kinetisches Körperkino, dynamisch, rund, seinem Genre verpflichtet.
Pride and Glory - Das Gesetz der Ehre
Schmutziges Copdrama um Familienbande und Loyalität, Ehre und Moral.
Religulous
Neu-Michael Moore Bill Maher auf Kirchenbashing-Trip. Ebenso polemisch wie unterhaltsam, als auch überflüssig.
Haider lebt! - 1.April 2021
Abgestandene Ösi-Satire, die nicht über ihr pseudo-provokantes Anliegen hinaus kommt.
Zombie Holocaust - Zombies unter Kannibalen
Schöner Splatterreigen, voll mit schiefem Humor und blutigem Allerlei.
Edelkitsch auf großer Leinwand, erzreaktionär, hoch banal, ein Ärgernis wie jeder Film von Luhrmann.
Saw V
pure Nummernrevue in billigster Videoclipästhetik, die jede Dramaturgie und Figurengestaltung im Ansatz zunichte machen. Vorläufiger Tiefpunkt der Serie.
Náufragos - Stranded
Low-Fi-Science-Fiction ohne Esprit.
Rofuto - Loft
Atmosphärischer J-Horror. Für einen Kurosawa aber eine herbe Enttäuschung.
The Boss of it All
Van Triers neoliberale Büroanordnung. Furchtbar Fremdschamschau. Bei humorvollem Umgang mit dem Thema empfehle ich aber doch eher The Office.
Transporter 3
Kinetisches Körperkino, dynamisch, rund, seinem Genre verpflichtet.
Pride and Glory - Das Gesetz der Ehre
Schmutziges Copdrama um Familienbande und Loyalität, Ehre und Moral.
Religulous
Neu-Michael Moore Bill Maher auf Kirchenbashing-Trip. Ebenso polemisch wie unterhaltsam, als auch überflüssig.
Haider lebt! - 1.April 2021
Abgestandene Ösi-Satire, die nicht über ihr pseudo-provokantes Anliegen hinaus kommt.
Zombie Holocaust - Zombies unter Kannibalen
Schöner Splatterreigen, voll mit schiefem Humor und blutigem Allerlei.
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Freitag, 27. Februar 2009
Fantasy Film Fest 2008 # 4
Was gibt es Schöneres als eine bitter-böse Sozialdystopie auf einem stets dem fiesen Grinsen verschriebenen Festival wie diesem?! Der Däne How to get Rid of the Others bleibt nur im allerätzendsten Sarkasmus erträglich. Der rotzfreche Roundhousekick spielt die Stammtischparolen durch und erstellt ein Szenario, in welchem die BILD nichts mehr zu schreiben hätte, würden ihre Empörungen doch standesgemäß Konsequenzen nach sich führen: Sozialschmarotzer und solche, als welche die Masse der Gesellschaft sie brandmarkt (Behinderte, Alkis, Künstler) werden in Schulgebäude interniert und per Schnellprozess zum Tode verurteilt, so sie denn den Staat mehr kosten, als sie ihm einbringen. Schluss mit dem Gerede, jetzt unternimmt der Staat mithilfe seines Militärs endlich einmal etwas. Anders Rønnow Klarlund schaffte in seinem zwischen Zynismus und Erschrecken pendelndem Werk den vermutlich schockierensten Film des ganzen Festivals. Rezeptionstechnisch immer wieder interessant zu beobachten, wie das Publikum herausgefordert wird, und solch einem ehrlichen Werk nicht standhalten kann, seine innere Unruhe bekämpft, indem es viel zu häufig in selbstberuhigendes Gelächter ausbricht. Dem monströsen Screenplay, welches den Grundgedanken ideenreich ausformuliert, lasten ein paar Fussel an, Spielereien, Komödiantisches, Überzogenes. Nichtsdestotrotz findet sich in How to get Rid of the Others eine politisches, durchaus sehr ernst gemeintes Anliegen, welches eine größere Bühne verdient hätte.
Was gibt es Schöneres als einen kitschigen Liebesfilm auf einem vornehmlich dem Nerdtum verschrieben Festival wie diesem?! Der belgisch-niederländische Blind erzählt ein Märchen über 2 Außenseiter, die zueinander finden und sich doch über gesellschaftliche Barrieren, Normvorstellungen und das eigene niedrige Selbstwertgefühl hinwegsetzen müssen, um zu ihrem eigentlich so einfachen Ziel zu gelangen. Ruben ist blind und wird von der Albino Marie als Hausmädchen gehütet. Als er nach einer Augenoperation wieder sehen kann, flüchtet Marie aus Angst nun die Liebe zu verlieren. Das Selbstzerstörerische, was dieser altmodischen, farbentfilterten und schneeweißen, tieftraurigen und von Regieneuling Tamar van den Dop virtuos inszenierten Geschichte innewohnt ist kaum auszuhalten. Voll poetischer Nostalgie rauscht der Film dank seiner grandiosen Optik, dem Score und den starken Darstellerleistungen beinahe leise und bedächtig an einem vorbei. Wieder so ein Fall von Aufmerksamkeitsmangel der größeren Festivals, wieder muss man einen lauten Seufzer ausstoßen.
Was gibt es Schöneres als eine als Vampirfilm deklarierte einfache und romantische Coming-of-Age-Geschichte auf so einem nach Monstern und Mythen schreienden Festival?! Der inzwischen allseits bekannte Schwede Let the Right One In erzählt - ähnlich dem oben erwähnten Blind - eine Geschichte von 2 Außenseitern, die in einer feindlichen Umgebung zueinander finden. Oskar ist ein Verstoßener von allen Seiten (geschiedene Eltern, Schulstress, drangsalierende Mitschüler) und Eli braucht trotz humanistischem Profil Blut, dass ihr gealterter Liebhaber (hier nun Vaterersatz) als sich Aufopfernder heran schafft. Die Spannung des sehr leisen, ebenfalls in nüchternen, unterkühlten Bildern eingefangenen Tragiestücks ergibt sich aus den Überlegungen über die Konsequenzen: Was für eine Zukunft hat diese aufblühende Zuneigung zwischen den beiden Kindern? Mit diesem stets über der Geschichte lauernden Gedanken wirkt Let the Right One In wie der große, ernste Bruder von Blind.
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Was gibt es Schöneres als einen kitschigen Liebesfilm auf einem vornehmlich dem Nerdtum verschrieben Festival wie diesem?! Der belgisch-niederländische Blind erzählt ein Märchen über 2 Außenseiter, die zueinander finden und sich doch über gesellschaftliche Barrieren, Normvorstellungen und das eigene niedrige Selbstwertgefühl hinwegsetzen müssen, um zu ihrem eigentlich so einfachen Ziel zu gelangen. Ruben ist blind und wird von der Albino Marie als Hausmädchen gehütet. Als er nach einer Augenoperation wieder sehen kann, flüchtet Marie aus Angst nun die Liebe zu verlieren. Das Selbstzerstörerische, was dieser altmodischen, farbentfilterten und schneeweißen, tieftraurigen und von Regieneuling Tamar van den Dop virtuos inszenierten Geschichte innewohnt ist kaum auszuhalten. Voll poetischer Nostalgie rauscht der Film dank seiner grandiosen Optik, dem Score und den starken Darstellerleistungen beinahe leise und bedächtig an einem vorbei. Wieder so ein Fall von Aufmerksamkeitsmangel der größeren Festivals, wieder muss man einen lauten Seufzer ausstoßen.
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Was gibt es Schöneres als eine als Vampirfilm deklarierte einfache und romantische Coming-of-Age-Geschichte auf so einem nach Monstern und Mythen schreienden Festival?! Der inzwischen allseits bekannte Schwede Let the Right One In erzählt - ähnlich dem oben erwähnten Blind - eine Geschichte von 2 Außenseitern, die in einer feindlichen Umgebung zueinander finden. Oskar ist ein Verstoßener von allen Seiten (geschiedene Eltern, Schulstress, drangsalierende Mitschüler) und Eli braucht trotz humanistischem Profil Blut, dass ihr gealterter Liebhaber (hier nun Vaterersatz) als sich Aufopfernder heran schafft. Die Spannung des sehr leisen, ebenfalls in nüchternen, unterkühlten Bildern eingefangenen Tragiestücks ergibt sich aus den Überlegungen über die Konsequenzen: Was für eine Zukunft hat diese aufblühende Zuneigung zwischen den beiden Kindern? Mit diesem stets über der Geschichte lauernden Gedanken wirkt Let the Right One In wie der große, ernste Bruder von Blind.
Freitag, 6. Februar 2009
Fantasy Film Fest 2008 # 3
Talking about Trash: Wenig Gutes gab es da zu berichten. Gefallen hat der überschwenglich-überbordende 36 PASOS aus Argentinien. Ein Low-Budget-Digital-Sonnengemüt, dass zwischen funktionsuntüchtigem Slasher, blendend gelaunter Daily Soap und Softsexsatire seinen ganz eigenen Weg geht. Nichts als ungewollter Trash war für meine Begriffe auch der zweite Opener des Festivals in meiner Stadt AN EMPRESS AND THE WARRIORS. Der Chinese ist ein hochkitschiger, pathetischer Low-Budget-Hochglanz, der die ewige Liebe, Heldenverehrung und Stolz herausstellt und dabei primitiv zwischen kinderfreundlichem Familienfilm, Bollywoodkitsch und Hollywoodpopanz tänzelt, dass es vor unfreiwilliger Komik nur so spritzt.Ein ganz unorigineller Versuch das zu toppen machte IT'S ALIVE, ein furchtbar biederer und lahmer Fötenhorror, der nach 70 Minuten Langeweile - wohl vor allem aus eigenem Unvermögen - erst entscheidet trashig zu werden. Na dann, Prost Mahlzeit. Einer, der es da schon ernster meint mit seinem Spassfaktor ist DANCE OF THE DEAD, Kinderquatsch mit Michael für die Nachtschiene, in Ironie getunktes Klischeetheater. In die gleiche Richtung streckt sich der Niveau-Bungee-Athlet THE RAGE. Und dann noch Grütze ohne Geschmack: LADY BLOOD, furchbarer mit Gore versetzter Krimi auf Tatort-Niveau. Kommt davon, wenn man einen Film einlädt, den das Festival selbst vorher nicht gesehen hat.
Kommen wir zum gehobenen Trash. JACK BROOKS: MONSTER SLAYER. Durchaus mit anzusehen, wie die Monster im Schulflur zur Strecke gebracht werden. Hat immerhin keinen "Haha"-Anspruch, den er dann nicht einlösen kann, sondern will nicht mehr sein als nette Actionunterhaltung. MY NAME IS BRUCE - Naja, vielleicht noch so ein wenig rustikaler Charme, aber eigentlich leider nur ein laues Lüftchen. Der andere Selbstreferenzo, von dem das ganze Festival sprach und der dann final auch den Fresh Blood Award mit nahm: J.C.V.D natürlich. Jean-Claude van Damme im Dickicht seines eigenen Mythos. Präsentiert und einen nicht so ganz stimmigen Mix aus Gaunerkomödie und selbstreferentiellem Trockenhumor, wobei Zweiteres funktioniert und den Film goutierbar macht. Van Dammes improvisierter Monolog in der Mitte des Films kann in seiner offensichtlichen Ehrlichkeit sowohl als lächerlich oder auch aufrichtig gesehen werden. Aber doch lieber positiv besetzten das Ganze. Haben sie sich verdient, unsere Muscles from Brussels.
2 Filme außer Trashkonkurrenz: Dario Argentos MOTHER OF TEARS Meinte ich der Monster Slayer wäre der beste Trash des Festivals? Falsch, natürlich ist Argentos okkulter Kindergrusel noch amüsanter. Höhepunkt: Udo Kier als der Geistliche Johannes. Hab zugunsten einer etwas günstigeren Nahverkehrsanbindung dennoch auf die letzten 20 Minuten verzichtet. Sorry, Dario! bis dahin aber schon unvergleichlich. Dem obszönen Assi-Brett MUM & DAD hingegen fieberte ich wild entgegen und wurde enttäuscht. Leider zu uninspirierte Umsetzung eines Themas aus dem man mehr hätte machen müssen. Manchmal einfach nur auf billigen Effekt (=Ekel) setzend, versuchen die Macher sich an einer Satire - ein Vorhaben, welches nur streckenweise gelingt - und befördern damit auch die Distanz zwischen Figuren und Zuschauer. Am Ende bleibt nicht mehr als der Eindruck eines bizarren Low-Budget-Meuchlers im Stile eines Neighborhood Watch vom FFF 06.
+++
Kommen wir zum gehobenen Trash. JACK BROOKS: MONSTER SLAYER. Durchaus mit anzusehen, wie die Monster im Schulflur zur Strecke gebracht werden. Hat immerhin keinen "Haha"-Anspruch, den er dann nicht einlösen kann, sondern will nicht mehr sein als nette Actionunterhaltung. MY NAME IS BRUCE - Naja, vielleicht noch so ein wenig rustikaler Charme, aber eigentlich leider nur ein laues Lüftchen. Der andere Selbstreferenzo, von dem das ganze Festival sprach und der dann final auch den Fresh Blood Award mit nahm: J.C.V.D natürlich. Jean-Claude van Damme im Dickicht seines eigenen Mythos. Präsentiert und einen nicht so ganz stimmigen Mix aus Gaunerkomödie und selbstreferentiellem Trockenhumor, wobei Zweiteres funktioniert und den Film goutierbar macht. Van Dammes improvisierter Monolog in der Mitte des Films kann in seiner offensichtlichen Ehrlichkeit sowohl als lächerlich oder auch aufrichtig gesehen werden. Aber doch lieber positiv besetzten das Ganze. Haben sie sich verdient, unsere Muscles from Brussels.
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2 Filme außer Trashkonkurrenz: Dario Argentos MOTHER OF TEARS Meinte ich der Monster Slayer wäre der beste Trash des Festivals? Falsch, natürlich ist Argentos okkulter Kindergrusel noch amüsanter. Höhepunkt: Udo Kier als der Geistliche Johannes. Hab zugunsten einer etwas günstigeren Nahverkehrsanbindung dennoch auf die letzten 20 Minuten verzichtet. Sorry, Dario! bis dahin aber schon unvergleichlich. Dem obszönen Assi-Brett MUM & DAD hingegen fieberte ich wild entgegen und wurde enttäuscht. Leider zu uninspirierte Umsetzung eines Themas aus dem man mehr hätte machen müssen. Manchmal einfach nur auf billigen Effekt (=Ekel) setzend, versuchen die Macher sich an einer Satire - ein Vorhaben, welches nur streckenweise gelingt - und befördern damit auch die Distanz zwischen Figuren und Zuschauer. Am Ende bleibt nicht mehr als der Eindruck eines bizarren Low-Budget-Meuchlers im Stile eines Neighborhood Watch vom FFF 06.
Donnerstag, 5. Februar 2009
Fantasy Film Fest 2008 # 2
Wenn sich das Fantasy Film Fest noch immer als vornehmliches Genrefestival versteht, dann erwartet man allerdings auch den einen oder anderen wirklich anständigen Beitrag vor die Augen zu bekommen. So ganz Aussieben lässt sich bei 70 Filmen der Schrott ja nie, aber umso größer ist die Freude, wenn dann mal wieder eine kleine Perle reinster Genreliebe an Bord ist. In 100 FEET spielt Famke Janssen eine frisch frei gekommene Frau, die eine Weile im Knast saß, weil sie ihren brutalen Cop-Ex-Mann umbrachte. Der trachtet ihr im alten Ehe-aka-Spuk-Haus nach dem Leben und dumm nur dass sie die Auflage hat sich nicht weiter als 100 Feet von eben diesem zu entfernen. Neben dieser Panic Room meets Geisterhaus-Geschichte ist 100 Feet auch ein großes Stück Geschichte über Trauma und Traumabewältigung. Die erste Einstellung gleitet alsdann von einem Riesenfriedhof zur New Yorker Skyline, selbstredend ohne die beiden Türme. Da heutzutage kaum mehr ein Film ohne eine starke Frauenfigur auskommt, sehen wir Milf Janssen kämpfen ("This is my house!"), sich ein Post-Noirsches Spielchen mit dem Ex-Partner ihres getöteten Ehemanns Bobby Cannavale liefern und als "next step in life" den Nachbarsjungen verführen. Dessen Todeskampf mit dem gehörnten Geist des Hauses gehört auch zum Eindrucksvollsten und Brutalsten, was ich dieses Jahr auf der Leinwand zu sehen bekam. Das feurige Ende von Eric Reds Grusel-Mix ist dann zwar etwas over the top, aber das stört nicht mehr nach 100 Minuten bester Unterhaltung.
100 Feet sollte man sich beim diesjährigen Festival auch nicht vom Gelände wagen, denn was einen da hinter dem Kinopalast erwartete war der passende Grusel zum im Kino dargebotenen. Überall existieren ja die "urban legends" über die Wäldchen, in welchen Homosexuelle sich wortlos und zumeist unverabredet zum rein körperlichen Liebesakt treffen. Ich nun meinerseits gehe in den Pausen zwischen den Filmen gerne ein wenig frische Luft schnappen und da ist der Park hinterm Kino geradezu perfekt geeignet. So kam es dann auch, wie es kommen muss und ich konnte interessanten Schauspielen beiwohnen. Nicht falsch verstehen, man lasse jedem seine schmutzigen kleinen Geheimnisse. Nur, umso häufiger und umso länger man dort sitzt, desto größer die Wahrscheinlichkeit ungewollt bald selbst Teil der Vorgeplänkel zu werden. Raus in den Busch, rein in den Busch, wieder raus und nochmal gucken ob der junge Mann auf der Parkbank (moi) nicht doch mit in den Busch will. Höhepunkt war dann ein älterer Herr, der es schaffte innerhalb von 5 Minuten acht Mal an meiner Bank vorbei zu gehen mit klaffend großen, geifernd gaffenden Augen. Erst ein "Nee, danke" meinerseits konnte die Szene dann auflösen. [CDU-Modus on]Nicht mal im Park hat man mehr seine Ruhe vor diesen Gestalten[CDU-Modus off]
Ein weiterer von mir mit freundlichem Lächeln bedachter Zeitgenosse war der Opener EDEN LAKE, der das Festival zugleich gebührend einleutete. Nachdem der Film von allen erdenklichen Seiten ja gebasht wurde, musste ich schon meine Stirn runzeln, die Verrisse allerorten konnte ich aber kaum nachvollziehen. James Watkins Backwood-Horror ist ein kleiner, äußerst pessimistischer Genrefreund, der das in England aktuelle Thema der Jugendgewalt thematisiert und gleichzeitig die Frage aufwirft, wer denn hier Angst hat vorm "white trash". Anstatt nun aber die bösen Kids gegen die guten Urbanistas abzugrenzen, greifen diese - ganz dem klassischen Revenge-Motiv - selbst zur Brutalität als Gegenmittel. Tier bleibt eben Tier und die zivilisatorischen Errungenschaften bleiben auf der Strecke. England bleibt sprichwörtlich im Reifen stecken und wird von überbordendender Gruppenaggression zunichte gemacht - das schwächste Glied in der Gruppe der Jungs wird von diesen mit Benzin übergossen und verbrennt. Unter dem tierischen Schild der Aggression strukturieren sich Hierarchien. Wie bei 100 Feet braucht es dann hier auch die starke Post-Feministin, die ihren im angriffslustigen Akt für das Desaster verantwortlichen Mann blutig verteidigt. Das Ende ist dann nochmal ein brachial-pessimistischer Draufhauer und lässt auch die 20 Liebeskitsch-Minuten aus dem Mittelteil vergessen, welche den Film kurzzeitig aus der Bahn geworfen haben.
Und noch ein Genrefilm der stärkeren Sorte: THE STRANGERS ist ein Terrorfilm par exellence. Pärchen wird im Haus von drei maskierten Unbekannten beobachtet und dann gemächlich nach und nach verängstigt. Feinstes Affektkino, in welchem nach sich Zeit nehmendem Spannungsaufbau der Hammer vollends zuschlägt. Bryan Bertinos Film lotet geschickt sein Raumgefüge (Haus, Vorhof, Wald) aus und spielt mit der nötigen Eleganz aus Zeigen und Nicht-Zeigen mit den Unsicherheiten seines Publikums. Affektkino, die Zweite - HUSH - Ein ebenso gelungener Genrevertreter wie The Strangers mit den gleichen Schwächen, über die man hinwegblicken muss. Eine kleine - leicht Dueleske - Abhandlung über menschlichen Egoismus, die gegen Ende aber nicht vertieft wird. Wird den Erwartungen aber durchaus gerecht.
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100 Feet sollte man sich beim diesjährigen Festival auch nicht vom Gelände wagen, denn was einen da hinter dem Kinopalast erwartete war der passende Grusel zum im Kino dargebotenen. Überall existieren ja die "urban legends" über die Wäldchen, in welchen Homosexuelle sich wortlos und zumeist unverabredet zum rein körperlichen Liebesakt treffen. Ich nun meinerseits gehe in den Pausen zwischen den Filmen gerne ein wenig frische Luft schnappen und da ist der Park hinterm Kino geradezu perfekt geeignet. So kam es dann auch, wie es kommen muss und ich konnte interessanten Schauspielen beiwohnen. Nicht falsch verstehen, man lasse jedem seine schmutzigen kleinen Geheimnisse. Nur, umso häufiger und umso länger man dort sitzt, desto größer die Wahrscheinlichkeit ungewollt bald selbst Teil der Vorgeplänkel zu werden. Raus in den Busch, rein in den Busch, wieder raus und nochmal gucken ob der junge Mann auf der Parkbank (moi) nicht doch mit in den Busch will. Höhepunkt war dann ein älterer Herr, der es schaffte innerhalb von 5 Minuten acht Mal an meiner Bank vorbei zu gehen mit klaffend großen, geifernd gaffenden Augen. Erst ein "Nee, danke" meinerseits konnte die Szene dann auflösen. [CDU-Modus on]Nicht mal im Park hat man mehr seine Ruhe vor diesen Gestalten[CDU-Modus off]
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Ein weiterer von mir mit freundlichem Lächeln bedachter Zeitgenosse war der Opener EDEN LAKE, der das Festival zugleich gebührend einleutete. Nachdem der Film von allen erdenklichen Seiten ja gebasht wurde, musste ich schon meine Stirn runzeln, die Verrisse allerorten konnte ich aber kaum nachvollziehen. James Watkins Backwood-Horror ist ein kleiner, äußerst pessimistischer Genrefreund, der das in England aktuelle Thema der Jugendgewalt thematisiert und gleichzeitig die Frage aufwirft, wer denn hier Angst hat vorm "white trash". Anstatt nun aber die bösen Kids gegen die guten Urbanistas abzugrenzen, greifen diese - ganz dem klassischen Revenge-Motiv - selbst zur Brutalität als Gegenmittel. Tier bleibt eben Tier und die zivilisatorischen Errungenschaften bleiben auf der Strecke. England bleibt sprichwörtlich im Reifen stecken und wird von überbordendender Gruppenaggression zunichte gemacht - das schwächste Glied in der Gruppe der Jungs wird von diesen mit Benzin übergossen und verbrennt. Unter dem tierischen Schild der Aggression strukturieren sich Hierarchien. Wie bei 100 Feet braucht es dann hier auch die starke Post-Feministin, die ihren im angriffslustigen Akt für das Desaster verantwortlichen Mann blutig verteidigt. Das Ende ist dann nochmal ein brachial-pessimistischer Draufhauer und lässt auch die 20 Liebeskitsch-Minuten aus dem Mittelteil vergessen, welche den Film kurzzeitig aus der Bahn geworfen haben.
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Und noch ein Genrefilm der stärkeren Sorte: THE STRANGERS ist ein Terrorfilm par exellence. Pärchen wird im Haus von drei maskierten Unbekannten beobachtet und dann gemächlich nach und nach verängstigt. Feinstes Affektkino, in welchem nach sich Zeit nehmendem Spannungsaufbau der Hammer vollends zuschlägt. Bryan Bertinos Film lotet geschickt sein Raumgefüge (Haus, Vorhof, Wald) aus und spielt mit der nötigen Eleganz aus Zeigen und Nicht-Zeigen mit den Unsicherheiten seines Publikums. Affektkino, die Zweite - HUSH - Ein ebenso gelungener Genrevertreter wie The Strangers mit den gleichen Schwächen, über die man hinwegblicken muss. Eine kleine - leicht Dueleske - Abhandlung über menschlichen Egoismus, die gegen Ende aber nicht vertieft wird. Wird den Erwartungen aber durchaus gerecht.
Mittwoch, 4. Februar 2009
Fantasy Film Fest 2008 # 1
Besser viel zu spät als nie. Eine kleine Nachbetrachtung des Fantasy Film Fests des letzten Jahres, denn 8 geschlagene Tage im Kino zu sitzen ohne daraus dann ein wenig Wortsalat zu basteln ist ja doch ein wenig unverschämt.
Ein dezenter Hinweis genügt - mancherlei Filme sah ich bereits im Vorfeld - Shiver und Transsiberian auf der Berlinale, The Art of Negative Thinking gesondert, Waltz with Bashir nun bereits ein zweites Mal.
Zur Waltz Sichtung auf dem Filmfest aber noch soviel: Ich hatte das grandiose Unglück hinter mir zwei höchst uninteressierte, filmapathische und unsensible Zeitgenossen im Rücken zu haben. Wer den Film kennt weiß ja, das die Endsequenzen Magengrubenschaufeln der heftigen Art sind. Wer diesen Bildern nun zynischst manipulative Wirkung zuschreibt oder sie gar den kompletten Film verneinen sieht, der würde damit wohl kein Problem gehabt haben - die beiden Herren hinter mir tauschten sich jedenfalls eifrigst über ihre Abendgestaltung und Zeitpläne aus und, obwohl ich ein Verfechter eines gelassenen Umgangs miteinander im Kinosaal bin (Böse Blicke bringen mich meist zum Schmunzeln), war das doch zuviel des Schlechten. Blöd nur, dass einem ja gerade die Spucke, als selbstverständlich auch die Worte wegbleiben in solch einem Moment.
Enttäuscht ist man in solchen Situationen vom Menschen an und für sich. Fragen drängen sich auf. Warum geht der Großteil des Volkes eigentlich ins Kino, wenn die Sensibilität für Kunst gleich null ist? Kino gilt heutzutage als Beschäftigungsangebot gleich neben ins Freibad gehen und Eis essen. Jeder tut's. Schön ist das, und doch befremdlich, weil so viele Laien hineinströmen in die Säle und irgendwie stets "einen anderen Film schieben" als derjenige, der dort gezeigt wird. Oder irgendwie nur verdutzt sind und mehr als den Inhalt und ein "irgendwie interessant" dazu nicht abgeben können. Zu Hause wartet ja auch wieder der Abwasch und der Film ist schneller vergessen als politische Missetaten von hochrangigen Amtsträgern.
Aber glücklicherweise gibt's ja auch Ausnahmen. José aus Mexiko ist eigentlich Informatiker und gibt seine gesamte Freizeit und das gut verdiente Geld für Filme und Kino aus. Wir schauen gemeinsam den Midnight Meat Train. Ein Film, wie er auf dieses Festival gehört. In schicker Videoclipästhetik ("Jeder shot ein Foto!") und Game-Optik verfolgt Butcher Vinnie Jones unseren Protagonisten, der sich als Fotograf seinem Objekt der Begierde annähert, und diese Tatsache am Ende auch den Trieb zur dunklen Seite überstrapazieren lässt. World's gonna mad. Und dem Individuum kann's ob seiner aggressiven, zivilisatorisch verdeckten Aura nur recht sein. Zuvor erstrahlt der Butcher im hellen Licht der kleinen Kamera. Als Mittelpunkt gefällt er sich, obwohl das Spiel für beide Seiten doch so gefährlich ist. Voyeurismus gehört eben zum menschlichen Geschäft. Auf der Strecke bleibt da nur die Liebe zum holden Weibe, dass es hier ausnahmsweise einmal nicht schafft den Mann in die heilere, warme Welt zurückzuführen. Stattdessen wird sie anal penetriert und am Ende umgebracht. That's life.
Ryûhei Kitamura inszeniert diese oldschoolig anmutenden Blutleckerei ziemlich postmodern, doch das trägt nur zur angenehmen Kurzweil bei. Der Film ist ein wirklich süßer Bastard und feinste Genrekost. Das konnte man von vielen anderen Slashern und Blutklauberern nicht sagen. Der amerikanische XII stellte sich beispielsweise als Rebell in Turnschuhen heraus. Billigste DV-Ästhetik und ein dramaturgisches Desaster auf dem Niveau einer Daily Soap. Auch der Minimal-Versuch Shuttle leidet an einer zerfahrenen Grundausstattung. Ein schmächtiger Busfahrer kidnapped 5 Jugendliche im Shuttlebus. Und die kommen da nicht frei? Das Ende und sein hübsches Anliegen retten den Film nicht mehr, machen ihn aber zur immerhin besseren DV-Kost. Und nochmal Australien: Dying Breed ist ein gradlinig haushaltender Backwood-Slasher. Immerhin keine "Ich zeig dir mal wie Low-Budget ich bin, Digger" Nummer. Dafür aber auch nicht wirklich inspirierend.
+++
Ein dezenter Hinweis genügt - mancherlei Filme sah ich bereits im Vorfeld - Shiver und Transsiberian auf der Berlinale, The Art of Negative Thinking gesondert, Waltz with Bashir nun bereits ein zweites Mal.
Zur Waltz Sichtung auf dem Filmfest aber noch soviel: Ich hatte das grandiose Unglück hinter mir zwei höchst uninteressierte, filmapathische und unsensible Zeitgenossen im Rücken zu haben. Wer den Film kennt weiß ja, das die Endsequenzen Magengrubenschaufeln der heftigen Art sind. Wer diesen Bildern nun zynischst manipulative Wirkung zuschreibt oder sie gar den kompletten Film verneinen sieht, der würde damit wohl kein Problem gehabt haben - die beiden Herren hinter mir tauschten sich jedenfalls eifrigst über ihre Abendgestaltung und Zeitpläne aus und, obwohl ich ein Verfechter eines gelassenen Umgangs miteinander im Kinosaal bin (Böse Blicke bringen mich meist zum Schmunzeln), war das doch zuviel des Schlechten. Blöd nur, dass einem ja gerade die Spucke, als selbstverständlich auch die Worte wegbleiben in solch einem Moment.
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Enttäuscht ist man in solchen Situationen vom Menschen an und für sich. Fragen drängen sich auf. Warum geht der Großteil des Volkes eigentlich ins Kino, wenn die Sensibilität für Kunst gleich null ist? Kino gilt heutzutage als Beschäftigungsangebot gleich neben ins Freibad gehen und Eis essen. Jeder tut's. Schön ist das, und doch befremdlich, weil so viele Laien hineinströmen in die Säle und irgendwie stets "einen anderen Film schieben" als derjenige, der dort gezeigt wird. Oder irgendwie nur verdutzt sind und mehr als den Inhalt und ein "irgendwie interessant" dazu nicht abgeben können. Zu Hause wartet ja auch wieder der Abwasch und der Film ist schneller vergessen als politische Missetaten von hochrangigen Amtsträgern.
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Aber glücklicherweise gibt's ja auch Ausnahmen. José aus Mexiko ist eigentlich Informatiker und gibt seine gesamte Freizeit und das gut verdiente Geld für Filme und Kino aus. Wir schauen gemeinsam den Midnight Meat Train. Ein Film, wie er auf dieses Festival gehört. In schicker Videoclipästhetik ("Jeder shot ein Foto!") und Game-Optik verfolgt Butcher Vinnie Jones unseren Protagonisten, der sich als Fotograf seinem Objekt der Begierde annähert, und diese Tatsache am Ende auch den Trieb zur dunklen Seite überstrapazieren lässt. World's gonna mad. Und dem Individuum kann's ob seiner aggressiven, zivilisatorisch verdeckten Aura nur recht sein. Zuvor erstrahlt der Butcher im hellen Licht der kleinen Kamera. Als Mittelpunkt gefällt er sich, obwohl das Spiel für beide Seiten doch so gefährlich ist. Voyeurismus gehört eben zum menschlichen Geschäft. Auf der Strecke bleibt da nur die Liebe zum holden Weibe, dass es hier ausnahmsweise einmal nicht schafft den Mann in die heilere, warme Welt zurückzuführen. Stattdessen wird sie anal penetriert und am Ende umgebracht. That's life.
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Ryûhei Kitamura inszeniert diese oldschoolig anmutenden Blutleckerei ziemlich postmodern, doch das trägt nur zur angenehmen Kurzweil bei. Der Film ist ein wirklich süßer Bastard und feinste Genrekost. Das konnte man von vielen anderen Slashern und Blutklauberern nicht sagen. Der amerikanische XII stellte sich beispielsweise als Rebell in Turnschuhen heraus. Billigste DV-Ästhetik und ein dramaturgisches Desaster auf dem Niveau einer Daily Soap. Auch der Minimal-Versuch Shuttle leidet an einer zerfahrenen Grundausstattung. Ein schmächtiger Busfahrer kidnapped 5 Jugendliche im Shuttlebus. Und die kommen da nicht frei? Das Ende und sein hübsches Anliegen retten den Film nicht mehr, machen ihn aber zur immerhin besseren DV-Kost. Und nochmal Australien: Dying Breed ist ein gradlinig haushaltender Backwood-Slasher. Immerhin keine "Ich zeig dir mal wie Low-Budget ich bin, Digger" Nummer. Dafür aber auch nicht wirklich inspirierend.
Dienstag, 3. Februar 2009
Rachel Getting Married
Jonathan Demme, USA 2008
Sie gilt als abgeschlossen und wurde gar eifrigst auf einer Pressekonferenz anno 2005 im großen Stil verabschiedet - die Dogma 95 Bewegung. Aber kann solch eine Bewegung einfach so als historische Epoche abgesteckt werden? Fakt ist, dass die Dogma-Bewegung einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat in der Filmlandschaft. Auch heute noch lässt sich das ablesen. Bestenfalls in wirklich guten Filmen.
RACHEL GETTING MARRIED ist solch ein Glücksfall. Der Film erzählt von einer hoch dysfunktionalen Familie in einer klischeefreien Authentizität, das es beinahe beängstigend ist. Mit der Kamera auf der Schulter schmeißt sich das Team in ein Getümmel aus Lebensfreude und Depression, aus in den Gesichtern der Figuren arbeitenden Vergangenheiten und Gegenwarten voller gemischter Gefühle. Kym (Anne Hathaway) kommt aus der Entzugsklinik um der Hochzeit ihrer Schwester Rachel (Rosemarie DeWitt) beiwohnen zu können. Hier nun, auf der Hochzeit, verweilen wir mit den Protagonisten. Rachel heiratet einen Afroamerikaner, die beiden Familien verstehen sich blendend, wenngleich es Risse in Kyms Familie gibt.
Diese Hochzeitsfeier gerät also zum Mittelpunkt. Das Zelebrieren dieses einen besonderen - in diesem Fall auch betont multikulturellen - Moments macht die eine Seite des Films aus. Es wird getanzt, gelacht, gescherzt, das Leben genossen. Die unmittelbare Hineingeworfenheit ins Geschehen, dieses ganz offensichtlich familiäre Zusammenkommen der Filmcrew, die Szenen in denen man sich einfach fühlt als sei man bei einem Hi8 Filmabend dabei und schaue sich mit seinen Freunden nochmal die alten Hochzeitsvideos an, die Momente in denen der Film los lässt und bei minutenlangen Musikszenen verweilt - dieser vermeintlich kleine Film vermittelt eine Lebensfreude, dass man beinahe wehmütig werden könnte.
Und dann gibt es dieses andere Gesicht. Kym ist - wie viele Figuren in dem Stück, man schaue nur auf den sorgenden Vater und die kühle Mutter - eine höchst ambivalente Figur. Sie nimmt uns an die Hand und ist die zentrale Bezugsperson für uns. Doch dann bemerken wir ihre Fragilität, spüren ihre unglaubliche Egozentriertheit und befinden uns im Dilemma an sie ja gebunden zu sein. Glücklicherweise weiß sich die Kamera auch mal zu lösen (siehe oben), und doch bleibt die Hathaway die tragische Figur im Stück. Bemitleidenswert. Nervig. Fremdscham herauskitzelnd. Unsympathisch. Sympathisch. Ein Meisterstück an Schauspielerei.
Der Film hält uns eindrucksvoll vor Augen wie einmalig und zerbrechlich zugleich unsere abgesteckten Lebensmomente sind. Wie dicht Freud und Leid beieinander liegen, wie sie koexistieren müssen. Zwischen den Freudentränen und denen des Schmerzes liegen Momente, so dicht ist das Leben in dieser engen Zeitspanne. RACHEL GETTING MARRIED erzählt wie im Nebenher von Seelenzuständen, von psychologischen Beschaffenheiten, von Beziehungskonstellationen, die unmittelbare Auswirkungen auf Identitätsentwicklungen haben, deren Ergebnis wir nun hier präsentiert bekommen. Dieses Hochzeitsbankett ist zugleich eine Ode an die Lebenslust als auch ein tieftrauriger Blick auf menschliches Miteinander.
Sie gilt als abgeschlossen und wurde gar eifrigst auf einer Pressekonferenz anno 2005 im großen Stil verabschiedet - die Dogma 95 Bewegung. Aber kann solch eine Bewegung einfach so als historische Epoche abgesteckt werden? Fakt ist, dass die Dogma-Bewegung einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat in der Filmlandschaft. Auch heute noch lässt sich das ablesen. Bestenfalls in wirklich guten Filmen.RACHEL GETTING MARRIED ist solch ein Glücksfall. Der Film erzählt von einer hoch dysfunktionalen Familie in einer klischeefreien Authentizität, das es beinahe beängstigend ist. Mit der Kamera auf der Schulter schmeißt sich das Team in ein Getümmel aus Lebensfreude und Depression, aus in den Gesichtern der Figuren arbeitenden Vergangenheiten und Gegenwarten voller gemischter Gefühle. Kym (Anne Hathaway) kommt aus der Entzugsklinik um der Hochzeit ihrer Schwester Rachel (Rosemarie DeWitt) beiwohnen zu können. Hier nun, auf der Hochzeit, verweilen wir mit den Protagonisten. Rachel heiratet einen Afroamerikaner, die beiden Familien verstehen sich blendend, wenngleich es Risse in Kyms Familie gibt.
Diese Hochzeitsfeier gerät also zum Mittelpunkt. Das Zelebrieren dieses einen besonderen - in diesem Fall auch betont multikulturellen - Moments macht die eine Seite des Films aus. Es wird getanzt, gelacht, gescherzt, das Leben genossen. Die unmittelbare Hineingeworfenheit ins Geschehen, dieses ganz offensichtlich familiäre Zusammenkommen der Filmcrew, die Szenen in denen man sich einfach fühlt als sei man bei einem Hi8 Filmabend dabei und schaue sich mit seinen Freunden nochmal die alten Hochzeitsvideos an, die Momente in denen der Film los lässt und bei minutenlangen Musikszenen verweilt - dieser vermeintlich kleine Film vermittelt eine Lebensfreude, dass man beinahe wehmütig werden könnte.
Und dann gibt es dieses andere Gesicht. Kym ist - wie viele Figuren in dem Stück, man schaue nur auf den sorgenden Vater und die kühle Mutter - eine höchst ambivalente Figur. Sie nimmt uns an die Hand und ist die zentrale Bezugsperson für uns. Doch dann bemerken wir ihre Fragilität, spüren ihre unglaubliche Egozentriertheit und befinden uns im Dilemma an sie ja gebunden zu sein. Glücklicherweise weiß sich die Kamera auch mal zu lösen (siehe oben), und doch bleibt die Hathaway die tragische Figur im Stück. Bemitleidenswert. Nervig. Fremdscham herauskitzelnd. Unsympathisch. Sympathisch. Ein Meisterstück an Schauspielerei.
Der Film hält uns eindrucksvoll vor Augen wie einmalig und zerbrechlich zugleich unsere abgesteckten Lebensmomente sind. Wie dicht Freud und Leid beieinander liegen, wie sie koexistieren müssen. Zwischen den Freudentränen und denen des Schmerzes liegen Momente, so dicht ist das Leben in dieser engen Zeitspanne. RACHEL GETTING MARRIED erzählt wie im Nebenher von Seelenzuständen, von psychologischen Beschaffenheiten, von Beziehungskonstellationen, die unmittelbare Auswirkungen auf Identitätsentwicklungen haben, deren Ergebnis wir nun hier präsentiert bekommen. Dieses Hochzeitsbankett ist zugleich eine Ode an die Lebenslust als auch ein tieftrauriger Blick auf menschliches Miteinander.
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Montag, 2. Februar 2009
Spartan/Wild Child/The Jacket
David Mamet bemüht sich immer wieder um ziemlich eigenwillige Stoffe, so dass sich zumindest in Genre- oder Storyebenen kaum eine Handschrift erkennen lassen kann. Der Politthriller Spartan beispielsweise könnte auch von einer Hohlbratze gedreht worden sein, so denkt man streckenweise angesichts der beinahe lächerlichen Drehbuchkonstruktionen und Plotwendungen, die uns der Film verkaufen will. Und trotzdem entsteht ein Sog - zugegebenermaßen auch stark gefördert durch die grandiose Musik von Mark Isham. Diese existenzialistische Figurenferne, die uns das Werk aufträgt wird zum seltsamen Moment, der einen Film unerklärlich gut macht.
Ebenso ein in der Theorie dämlich konstruiertes Stück Film ist The Jacket von John Maybury. Allerdings ist diese sich für besonders klug haltende Mystery-Melange ein außerordentliches Ärgernis. Vollkommen over the top wichst sich der Film einen auf seine ach so schlaue Narrativik und übersieht neben seinen Figuren (unglaublich: Adrien Brody und Keira Knightley gaben sich her für den Humbug) auch die desolate Inszenierung. Handwerklich ein Desaster, und da es bei diesem Science-Fiction-Verschnitt nach dem scriptschen Plotchaos letzten Endes nur noch darauf ankommt, fällt The Jacket in allen Belangen komplett durch. Die hinten angeklebte Moral-von-der-Gschicht setzt dem Machwerk dann die Krone auf.
Normalerweise meide ich ja Teen-Komödien, den massiven Kassenerfolg Wild Child aus den USA hielt ich dieses Mal aber tapfer durch. Erstaunlich, was solch eine an die peer group gerichtete Pupertätsgranate so alles propagiert. Neben den auch in Alt-Herren-Filmen gerne gesehenen Themen wie Loyalität und Aufhebung des Klassendenkens (Denkfehler hier schon: Solches gibt es im Internat doch schon automatisch) reden wir hier von Emanzipation und Ablösung. Das dann aber nur, um am Ende in das Steinzeitdenken einer Cheerleader-Choreografie zurück zu fallen, um - tata - den Jungen des Vertrauens zu bekommen. Na, wenn das nicht mal fortschrittliches Denken ist!
Ebenso ein in der Theorie dämlich konstruiertes Stück Film ist The Jacket von John Maybury. Allerdings ist diese sich für besonders klug haltende Mystery-Melange ein außerordentliches Ärgernis. Vollkommen over the top wichst sich der Film einen auf seine ach so schlaue Narrativik und übersieht neben seinen Figuren (unglaublich: Adrien Brody und Keira Knightley gaben sich her für den Humbug) auch die desolate Inszenierung. Handwerklich ein Desaster, und da es bei diesem Science-Fiction-Verschnitt nach dem scriptschen Plotchaos letzten Endes nur noch darauf ankommt, fällt The Jacket in allen Belangen komplett durch. Die hinten angeklebte Moral-von-der-Gschicht setzt dem Machwerk dann die Krone auf.
Normalerweise meide ich ja Teen-Komödien, den massiven Kassenerfolg Wild Child aus den USA hielt ich dieses Mal aber tapfer durch. Erstaunlich, was solch eine an die peer group gerichtete Pupertätsgranate so alles propagiert. Neben den auch in Alt-Herren-Filmen gerne gesehenen Themen wie Loyalität und Aufhebung des Klassendenkens (Denkfehler hier schon: Solches gibt es im Internat doch schon automatisch) reden wir hier von Emanzipation und Ablösung. Das dann aber nur, um am Ende in das Steinzeitdenken einer Cheerleader-Choreografie zurück zu fallen, um - tata - den Jungen des Vertrauens zu bekommen. Na, wenn das nicht mal fortschrittliches Denken ist!
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Val Kilmer
Sonntag, 1. Februar 2009
Faster, Pussycat! Kill! Kill!
Russ Meyer, USA 1965
Es kommt nicht bei allzu vielen Regisseuren vor, dass sie ein Werk vorlegen, bei dem sich grob die wesentlichen Spezifika ihres Schaffens direkt in der Storyline eingelagert finden lassen. Russ Meyer - dessen Filmografie immerhin 26 Spielfilme umfasst - schaffte dieses Kunststück 1965 mit seinem heute als Standard-Meyer fungierenden FASTER, PUSSYCAT! KILL! KILL!
3 Stripperinnen begeben sich - angwidert vom männlichen Objekt-Begehren - auf eine kleine Spritztour. Jede von ihnen besitzt ihre eigene Sport-Karosserie, ihr Territorium wird den ganzen Film hindurch die Wüste sein. Nachdem sie einen naiven Jungspund das Genick gebrochen haben und dessen Freundin kidnappen, geraten sie auf eine Farm, auf der sich von nun an die Männer des Hauses - ein alter, dominanter Krüppel, ein strunzdummes Muskelpaket und sein halbwegs vernünftiger Bruder - und die grobschlächtigen Damen in Lauerstellung gegenüber stehen.
Meyers "Ode an die Gewalttätigkeit der Frau" kommt weitaus roher, sexuell subtiler und motivisch brachialer daher als seine anderen Werke aus der Schaffensperiode. Nie hat man so wenig Haut gesehen wie in diesem Meyer, und gleichzeitig war man diesem Voyeurismus auch nie so abgeneigt wie hier. Tura Santana als frühe Amy Winehouse, nur fülliger, zielstrebiger, kontrollierter - Haji als begehrende Osteuropäerin monströsen Schlages - Lori Williams als einzige "female lead", die dann auch das sexuelle Begehren erwachen lässt. Die drei Damen haben die gesamte Potenz für sich gepachtet, ihre Hybridfunktion zwischen Östrogen und konnotierter Männlichkeit (Autos, Posen, Jeans) macht sie unberechenbar und gefährlich.
Ihnen gegenüber gestellt ist einerseits die süße Susan Bernard, deren Rolle sich aufs minderjährige Dummchen beschränkt. Die Raubkatzenfütterung, die man stets erwartet, bleibt zwar aus, die lesbischen Konnotationen allerdings liegen in der Luft. Zum Anderen stehen ihnen die drei Herren der Zunft im Weg. Der verbitterte Rollstuhl-Opa, der nebenbei angeblich auch einiges an Knete im Rücken hat, trauert zum einen seiner bei der Geburt der Dumpfbacke von Sohn verstorbenen Ehefrau hinterher, zudem auch um seine Beine, die er verlor, als er einem jungen Mädchen auf der Flucht zu Hilfe eilte. Sein muskelbepackter, aber hohlschädeliger Sohnemann hingegen dient ihm als Prothese, die symbiotische Hassliebe in dieser dysfunktionalen Vater-Sohn-Beziehung wird dem fiesen Zischen der weiblichen Schlangen entgegen gesetzt.
FASTER, PUSSYCAT! KILL! KILL! ist neben dem höchst ungewöhnlichen, kaum einzuordnenden Storyschema auch ein kleiner Genremix. Als weibliches Road-Movie beginnt der Film, bleibt dann aber auf der Farm stecken. Hier startet dann eine Art Post-Western, in welchem in einem eindrucksvollen Bild vier weibliche Beine der Vater-Sohn-Prothese gegenüber stehen. Mit der Seitengeschichte des gekidnappten Mädchens finden sich gar frühe Anklänge eines Backwood-(besser: Wüsten-)Horrors, in welchem die Hinterwälder und Amazonen das arme Mädchen, welches ausbüchst wieder einfangen müssen.
Am Ende muss sich alles zwischen zwei Beziehungskonstellationen entscheiden. Bekommt die Anführerin Tura Santana den einzig vernünftigen Mann in diesem Film, besser gesagt: Kann sie sich ihn schnappen? Der Film gibt ein klares "Nein!" als Antwort, die drei Damen müssen allesamt sterben (Santana gar im Vampirmotiv, mit Blut an den Mundwinkeln), während der Mann mit dem Blondinchen von dannen zieht. Wir denken an Meyer, den Fetischisten und Voyeur und man wagt nicht einzuschätzen, ob dies ein Abgesang auf eine feministische Utopie sein soll, und wenn ja: Ist das ein Happy End?
Es kommt nicht bei allzu vielen Regisseuren vor, dass sie ein Werk vorlegen, bei dem sich grob die wesentlichen Spezifika ihres Schaffens direkt in der Storyline eingelagert finden lassen. Russ Meyer - dessen Filmografie immerhin 26 Spielfilme umfasst - schaffte dieses Kunststück 1965 mit seinem heute als Standard-Meyer fungierenden FASTER, PUSSYCAT! KILL! KILL! 3 Stripperinnen begeben sich - angwidert vom männlichen Objekt-Begehren - auf eine kleine Spritztour. Jede von ihnen besitzt ihre eigene Sport-Karosserie, ihr Territorium wird den ganzen Film hindurch die Wüste sein. Nachdem sie einen naiven Jungspund das Genick gebrochen haben und dessen Freundin kidnappen, geraten sie auf eine Farm, auf der sich von nun an die Männer des Hauses - ein alter, dominanter Krüppel, ein strunzdummes Muskelpaket und sein halbwegs vernünftiger Bruder - und die grobschlächtigen Damen in Lauerstellung gegenüber stehen.
Meyers "Ode an die Gewalttätigkeit der Frau" kommt weitaus roher, sexuell subtiler und motivisch brachialer daher als seine anderen Werke aus der Schaffensperiode. Nie hat man so wenig Haut gesehen wie in diesem Meyer, und gleichzeitig war man diesem Voyeurismus auch nie so abgeneigt wie hier. Tura Santana als frühe Amy Winehouse, nur fülliger, zielstrebiger, kontrollierter - Haji als begehrende Osteuropäerin monströsen Schlages - Lori Williams als einzige "female lead", die dann auch das sexuelle Begehren erwachen lässt. Die drei Damen haben die gesamte Potenz für sich gepachtet, ihre Hybridfunktion zwischen Östrogen und konnotierter Männlichkeit (Autos, Posen, Jeans) macht sie unberechenbar und gefährlich.
Ihnen gegenüber gestellt ist einerseits die süße Susan Bernard, deren Rolle sich aufs minderjährige Dummchen beschränkt. Die Raubkatzenfütterung, die man stets erwartet, bleibt zwar aus, die lesbischen Konnotationen allerdings liegen in der Luft. Zum Anderen stehen ihnen die drei Herren der Zunft im Weg. Der verbitterte Rollstuhl-Opa, der nebenbei angeblich auch einiges an Knete im Rücken hat, trauert zum einen seiner bei der Geburt der Dumpfbacke von Sohn verstorbenen Ehefrau hinterher, zudem auch um seine Beine, die er verlor, als er einem jungen Mädchen auf der Flucht zu Hilfe eilte. Sein muskelbepackter, aber hohlschädeliger Sohnemann hingegen dient ihm als Prothese, die symbiotische Hassliebe in dieser dysfunktionalen Vater-Sohn-Beziehung wird dem fiesen Zischen der weiblichen Schlangen entgegen gesetzt.
FASTER, PUSSYCAT! KILL! KILL! ist neben dem höchst ungewöhnlichen, kaum einzuordnenden Storyschema auch ein kleiner Genremix. Als weibliches Road-Movie beginnt der Film, bleibt dann aber auf der Farm stecken. Hier startet dann eine Art Post-Western, in welchem in einem eindrucksvollen Bild vier weibliche Beine der Vater-Sohn-Prothese gegenüber stehen. Mit der Seitengeschichte des gekidnappten Mädchens finden sich gar frühe Anklänge eines Backwood-(besser: Wüsten-)Horrors, in welchem die Hinterwälder und Amazonen das arme Mädchen, welches ausbüchst wieder einfangen müssen.
Am Ende muss sich alles zwischen zwei Beziehungskonstellationen entscheiden. Bekommt die Anführerin Tura Santana den einzig vernünftigen Mann in diesem Film, besser gesagt: Kann sie sich ihn schnappen? Der Film gibt ein klares "Nein!" als Antwort, die drei Damen müssen allesamt sterben (Santana gar im Vampirmotiv, mit Blut an den Mundwinkeln), während der Mann mit dem Blondinchen von dannen zieht. Wir denken an Meyer, den Fetischisten und Voyeur und man wagt nicht einzuschätzen, ob dies ein Abgesang auf eine feministische Utopie sein soll, und wenn ja: Ist das ein Happy End?
Freitag, 30. Januar 2009
Mala Noche/Rocco und seine Brüder/Duell
Zwischen einem neuen amerikanischen, wilden und jungen Independent-Kino und dem sexuellen Selbstfindungstrip eines Adoleszenten brachte Gus Van Sant in seinem Debutfilm Mala Noche eine Jarmusch-alike schwarz-weiße Grobpixelei auf die Leinwand. Sein zielloses Road-Movie treibt in seiner Nonchalance vor sich hin und besteht auf seine Atmosphäre, die den jugendlichen Zeitgeist ausatmen soll. Die Arithmetik des gesellschaftlichen Verlorenseins durch extravagant kontrastierte Bildwelten ist eine einfache Rechnung, und wurde bereits Jahre vorher, zugleich markanter von Jim Jarmusch inszeniert. Van Sant fügt dem nichts Neues hinzu, sondern bestätigt nur die Klischees eines sich nach dem Zusammenbrechen des New Hollywood neu findenden US-Underground-Kinos.
Luchino Viscontis Neorealismus-Klassiker Rocco e i suoi fratelli bietet eine beinahe 3-stündige Tour de Force durch ein Familienkaleidoskop. Der sich zunächst auf die alltäglichen Lebensbedingungen im Nachkriegs-Italien fokussierende Film fängt eine unbeschwerte Zeitreise in eine Welt voller familiärer Nächstenliebe und engem Zusammenrücken ein, ganz wie man es vom Meister der Epoche Vittorio De Sica gewöhnt ist. Bei Visconti sind die Kinder zwar alle schon etwas älter, trotzdem bieten sich schmucke Szenarien eines mit naivem Auge folgenden Realismus. Umso mehr schlägt die zweite Hälfte zu, in welcher eine große Tragödie shakespearschen Ausmaßes durchgespielt wird. Schuld und Sühne, Liebe und Hass, Vergebung und Erlösung, das epische Mammut Rocco und seine Brüder bringt alles zusammen und verschmelzt es im Familienkolloseum.
Steven Spielbergs Debutwerk Duel war ein eigentlich für das Fernsehen abgedrehter, im Nachhinein sogar noch um 15 Minuten aufgemotzter "Eventmovie", wie es das deutsche Privatfernsehen heute nennen würde. Dabei zeigt der Reißer bereits an, was Spielberg so drauf hat. In seinem Flucht-Spektakel, dass plotlinienmäßig mit einem "Truck jagt Mann" schon recht gut umrissen ist, bietet der noch frische Regisseur ein gradliniges Suspense-Szenario, das geradezu körperlich an den Rezipienten geht. Hervorstechend sind die Konnotationen des Duells: Es geht um männliche Potenz, um das "sich beweisen müssen", in diesem Fall in einer Straßenwüste, also praktisch nur vor sich selbst. Unser Protagonist scheint keine gut laufende Beziehung zu haben, soviel bekommen wir mit. Seine Männlichkeit stellt er in hektischer, auch innerlich gehetzter Manier selbst in Frage. Das Paranoiagefühl, ein intelligent bebildertes, dazu die Heimatlosigkeit des unzufriedenen Fahreres - Duell öffnet einige interessante Ebenen. Der David vs Goliath Hahnenkampf endet trotz vermeintlichem Happy End in einer melancholisch-traurigen Stimmung, unser Protagonist sitzt im Morgengrauen am Abhang.
Luchino Viscontis Neorealismus-Klassiker Rocco e i suoi fratelli bietet eine beinahe 3-stündige Tour de Force durch ein Familienkaleidoskop. Der sich zunächst auf die alltäglichen Lebensbedingungen im Nachkriegs-Italien fokussierende Film fängt eine unbeschwerte Zeitreise in eine Welt voller familiärer Nächstenliebe und engem Zusammenrücken ein, ganz wie man es vom Meister der Epoche Vittorio De Sica gewöhnt ist. Bei Visconti sind die Kinder zwar alle schon etwas älter, trotzdem bieten sich schmucke Szenarien eines mit naivem Auge folgenden Realismus. Umso mehr schlägt die zweite Hälfte zu, in welcher eine große Tragödie shakespearschen Ausmaßes durchgespielt wird. Schuld und Sühne, Liebe und Hass, Vergebung und Erlösung, das epische Mammut Rocco und seine Brüder bringt alles zusammen und verschmelzt es im Familienkolloseum.
Steven Spielbergs Debutwerk Duel war ein eigentlich für das Fernsehen abgedrehter, im Nachhinein sogar noch um 15 Minuten aufgemotzter "Eventmovie", wie es das deutsche Privatfernsehen heute nennen würde. Dabei zeigt der Reißer bereits an, was Spielberg so drauf hat. In seinem Flucht-Spektakel, dass plotlinienmäßig mit einem "Truck jagt Mann" schon recht gut umrissen ist, bietet der noch frische Regisseur ein gradliniges Suspense-Szenario, das geradezu körperlich an den Rezipienten geht. Hervorstechend sind die Konnotationen des Duells: Es geht um männliche Potenz, um das "sich beweisen müssen", in diesem Fall in einer Straßenwüste, also praktisch nur vor sich selbst. Unser Protagonist scheint keine gut laufende Beziehung zu haben, soviel bekommen wir mit. Seine Männlichkeit stellt er in hektischer, auch innerlich gehetzter Manier selbst in Frage. Das Paranoiagefühl, ein intelligent bebildertes, dazu die Heimatlosigkeit des unzufriedenen Fahreres - Duell öffnet einige interessante Ebenen. Der David vs Goliath Hahnenkampf endet trotz vermeintlichem Happy End in einer melancholisch-traurigen Stimmung, unser Protagonist sitzt im Morgengrauen am Abhang.
Mittwoch, 28. Januar 2009
Solyaris
Andrei Tarkowskij, Sowjetunion 1972
7 Jahre bevor Andrej Tarkowskij mit STALKER seinen Meilenstein schuf, der sich längst aus Genrepfaden herausgelöst hatte, probierte er sich an einer Geschichte von Stanislaw Lem. SOLARIS versteht sich allerdings nur im Mantel, im Rahmen des Science-Fiction-Films, wenngleich alle Motive darauf hindeuten. Vielmehr ist auch dieser Film ein philosophischer Weitläufer, ein gigantisches Gedankengeflecht, ein textbessenes Kopfgespinst.
Ähnlich dem STALKER entwirft der Film ein Szenario, das sich konzentriert auf die Unterschiede der Begriffswelten Tarkowskijs. Gleich zu Beginn zieht uns der Film in eine prächtige, fließende Naturlandschaft hinein. Familie als Thema bekommt auch nur in diesem Raum ein reales Gesicht. Der Protagonist verabschiedet sich und fliegt per Raumblase (Huhu, Fountain!) zu einer Raumstation. Bereits vorher bekommen wir eine bemerkenswert dichte, grobe Sequenzen zu sehen, die Tarkowskij Jahre später mit der Draisinen-Fahrt im STALKER wiederholen sollte. Die industrielle Blechlawine verdichtet sich zum traumatischen Motiv der Entfremdung. Die Straßen kreuzen sich, der Geräuschpegel wird grenzwertig, der Vorgänger im All - jemand der dank seiner Widerrede gegen die Zivilisation der Wissenschaftlichkeit von dieser bereits geschasst wurde - steckt fest im dynamischen Strom des Lichtermeeres. Die Unnatürlichkeit kontrastiert der Film gleich im nächsten Schuss schon wieder mit dem ruhenden Organischen des Flußes auf dem Familienlandsitz.
Unser Protagonist kommt auf der Raumstation an und findet eine chaotische Müllhalde vor. Unheimliches geht vor sich, der Film bekommt gar einen schauerhaften Touch. Die zwei Überlebenden in diesem Gefährt ins Nichts stellen den Dualismus dar, welcher einen Tarkowskij so gerne durchzieht. Steht der schon leicht verrückt gewordene Snaut für eine Sicht des "mit sich geschehen lassens", der Intuition, Transzendenz, auch der Tragik des Lebens, ist Sartorius ein streng gebliebener, eiskalter Wissenschaftler, ein Erklärer, in der Hybris gefangener. Jemand der sich nicht beirren lässt. Wenn die Familiensequenzen als Umrahmung dienen und vor allem Wärme und Geborgenheit (auch: im Heimatlichen) vermitteln, prallen hier auf engstem Raum - im Mittelteil des Stücks - die philosophischen Ebenen aufeinander.
Entscheidender Katalysator für die Handlung ist das Auftreten der Imagination, des Verdrängten, des Erinnerns. Seine nach der Trennung von ihm sich selbst das Leben genommen habende Frau erscheint und ist nicht wieder los zu bekommen. Hier vermischt sich der entscheidende Diskursantrieb mit dem bereits statisch Vorgegebenen - es wird beinahe plastisch. Inwieweit "konstruiert" der Mensch sich sein Leben, seine Umwelt, ja gar seine Mitmenschen? Was, wenn das Verdrängte, im Gedächtnis verankerte, die schmerzhafte Erinnerung sich ihre Bahn bricht? Wer ist Subjekt, wer Objekt, wo ist der Blickpunkt, wer entscheidet hier überhaupt?
Dieser seltsame Nebel, Urschlamm, dieses Gebilde, welchem das Raumschiff stehts gegenüber steht - dies ist die nicht definierbare, nicht untersuchbare Masse, die hier die Gedanken steuert. Was will der Mensch da noch machen? Was ist Chimäre, was real? Bei der Konfrontation mit all den Fragen nach dem Leben wird der Mensch depressiv und bringt sich um oder wird verrückt. Zumindest aber wandelt er seine Sinne, unser Protagonist wird vom gläubigen Fortschrittsdenker zum suchenden Gläubigen.
SOLARIS ist im Gegensatz zum STALKER nicht sehr ästhetisch geraten. Die enge Sterilität der Raumstation weiß dies allein schon zu verhindern. Umso mehr wirken die gegen geschnittenen Naturszenen. Noch viel mehr als beim STALKER wird hier der Kontrast gesucht - das kalte, irrige Fortschrittsdenken gegen die monumentale Kraft des Unerklärbaren, des Lenkenden, des den menschlichen Geist Durchkreuzenden. Tarkowskij muss sich hier auch den Vorwurf gefallen lassen, dass er seine Erzählung im Glauben an das Übernatürliche, mit religiösen Mystifizierungen sonnt, und am Ende einen Hoffnungsschimmer aufblitzen lässt, den Lem in seiner Vorlage so nicht vorgesehen hatte.
SOLARIS ist auch ein Film über den männlichen Perspektivverlust. Die Frau, das unbekannte Wesen, die Frau als Heilsbringerin, als konstitutives Element in der Narration eines männlichen Lebens. Frau, Geliebte, Mutter. Die Fühlbarkeit der Natur. Als Eigengeburt der Imagination entschlüpft das Weibe auf der Raumstation dem männlichen Verlangen, Unterbewusstsein, Erinnerung, Sehnsucht. Noch ist sie konstruiertes Objekt, doch die Menschwerdung steht bevor, und schnell ist die Bindung wieder so eng, dass gar Zukunftspläne (tragisch-unumsetzbare natürlich) geschmiedet werden. Hinter all dem destruktiv-depressiven Gedankenapparat - die Liebe als heran imaginierte, selbst konstruierte Pseudo-Macht - eine Suche nach dem Zusammenhalt gefunden, ist eine Menschwerdung - und Subjektwerdung - in der wahren Liebe möglich. Die Hoffnung versiegt in diesem Film nie so wirklich, selbst wenn das letzte Bild sich dagegen vielleicht noch einmal aufbäumen will.
Die vollkommen desillusionierten Gesichter freilich erzählen stets ihre eigene Geschichte. Trotz allen Glaubens an den Glauben, an Humanität, an Denkgebilde und Kommunikation - Tarkowskijs Filme bleiben immer ruhelos, besinnt zwar und poetisch, doch mit dem tief tragischen Blick auf die kaputten Strukturen. So gerne er es hätte - hier wird niemand glücklich. Außer in seiner Imagination.
7 Jahre bevor Andrej Tarkowskij mit STALKER seinen Meilenstein schuf, der sich längst aus Genrepfaden herausgelöst hatte, probierte er sich an einer Geschichte von Stanislaw Lem. SOLARIS versteht sich allerdings nur im Mantel, im Rahmen des Science-Fiction-Films, wenngleich alle Motive darauf hindeuten. Vielmehr ist auch dieser Film ein philosophischer Weitläufer, ein gigantisches Gedankengeflecht, ein textbessenes Kopfgespinst. Ähnlich dem STALKER entwirft der Film ein Szenario, das sich konzentriert auf die Unterschiede der Begriffswelten Tarkowskijs. Gleich zu Beginn zieht uns der Film in eine prächtige, fließende Naturlandschaft hinein. Familie als Thema bekommt auch nur in diesem Raum ein reales Gesicht. Der Protagonist verabschiedet sich und fliegt per Raumblase (Huhu, Fountain!) zu einer Raumstation. Bereits vorher bekommen wir eine bemerkenswert dichte, grobe Sequenzen zu sehen, die Tarkowskij Jahre später mit der Draisinen-Fahrt im STALKER wiederholen sollte. Die industrielle Blechlawine verdichtet sich zum traumatischen Motiv der Entfremdung. Die Straßen kreuzen sich, der Geräuschpegel wird grenzwertig, der Vorgänger im All - jemand der dank seiner Widerrede gegen die Zivilisation der Wissenschaftlichkeit von dieser bereits geschasst wurde - steckt fest im dynamischen Strom des Lichtermeeres. Die Unnatürlichkeit kontrastiert der Film gleich im nächsten Schuss schon wieder mit dem ruhenden Organischen des Flußes auf dem Familienlandsitz.
Unser Protagonist kommt auf der Raumstation an und findet eine chaotische Müllhalde vor. Unheimliches geht vor sich, der Film bekommt gar einen schauerhaften Touch. Die zwei Überlebenden in diesem Gefährt ins Nichts stellen den Dualismus dar, welcher einen Tarkowskij so gerne durchzieht. Steht der schon leicht verrückt gewordene Snaut für eine Sicht des "mit sich geschehen lassens", der Intuition, Transzendenz, auch der Tragik des Lebens, ist Sartorius ein streng gebliebener, eiskalter Wissenschaftler, ein Erklärer, in der Hybris gefangener. Jemand der sich nicht beirren lässt. Wenn die Familiensequenzen als Umrahmung dienen und vor allem Wärme und Geborgenheit (auch: im Heimatlichen) vermitteln, prallen hier auf engstem Raum - im Mittelteil des Stücks - die philosophischen Ebenen aufeinander.
Entscheidender Katalysator für die Handlung ist das Auftreten der Imagination, des Verdrängten, des Erinnerns. Seine nach der Trennung von ihm sich selbst das Leben genommen habende Frau erscheint und ist nicht wieder los zu bekommen. Hier vermischt sich der entscheidende Diskursantrieb mit dem bereits statisch Vorgegebenen - es wird beinahe plastisch. Inwieweit "konstruiert" der Mensch sich sein Leben, seine Umwelt, ja gar seine Mitmenschen? Was, wenn das Verdrängte, im Gedächtnis verankerte, die schmerzhafte Erinnerung sich ihre Bahn bricht? Wer ist Subjekt, wer Objekt, wo ist der Blickpunkt, wer entscheidet hier überhaupt?
Dieser seltsame Nebel, Urschlamm, dieses Gebilde, welchem das Raumschiff stehts gegenüber steht - dies ist die nicht definierbare, nicht untersuchbare Masse, die hier die Gedanken steuert. Was will der Mensch da noch machen? Was ist Chimäre, was real? Bei der Konfrontation mit all den Fragen nach dem Leben wird der Mensch depressiv und bringt sich um oder wird verrückt. Zumindest aber wandelt er seine Sinne, unser Protagonist wird vom gläubigen Fortschrittsdenker zum suchenden Gläubigen.
SOLARIS ist im Gegensatz zum STALKER nicht sehr ästhetisch geraten. Die enge Sterilität der Raumstation weiß dies allein schon zu verhindern. Umso mehr wirken die gegen geschnittenen Naturszenen. Noch viel mehr als beim STALKER wird hier der Kontrast gesucht - das kalte, irrige Fortschrittsdenken gegen die monumentale Kraft des Unerklärbaren, des Lenkenden, des den menschlichen Geist Durchkreuzenden. Tarkowskij muss sich hier auch den Vorwurf gefallen lassen, dass er seine Erzählung im Glauben an das Übernatürliche, mit religiösen Mystifizierungen sonnt, und am Ende einen Hoffnungsschimmer aufblitzen lässt, den Lem in seiner Vorlage so nicht vorgesehen hatte.
SOLARIS ist auch ein Film über den männlichen Perspektivverlust. Die Frau, das unbekannte Wesen, die Frau als Heilsbringerin, als konstitutives Element in der Narration eines männlichen Lebens. Frau, Geliebte, Mutter. Die Fühlbarkeit der Natur. Als Eigengeburt der Imagination entschlüpft das Weibe auf der Raumstation dem männlichen Verlangen, Unterbewusstsein, Erinnerung, Sehnsucht. Noch ist sie konstruiertes Objekt, doch die Menschwerdung steht bevor, und schnell ist die Bindung wieder so eng, dass gar Zukunftspläne (tragisch-unumsetzbare natürlich) geschmiedet werden. Hinter all dem destruktiv-depressiven Gedankenapparat - die Liebe als heran imaginierte, selbst konstruierte Pseudo-Macht - eine Suche nach dem Zusammenhalt gefunden, ist eine Menschwerdung - und Subjektwerdung - in der wahren Liebe möglich. Die Hoffnung versiegt in diesem Film nie so wirklich, selbst wenn das letzte Bild sich dagegen vielleicht noch einmal aufbäumen will.
Die vollkommen desillusionierten Gesichter freilich erzählen stets ihre eigene Geschichte. Trotz allen Glaubens an den Glauben, an Humanität, an Denkgebilde und Kommunikation - Tarkowskijs Filme bleiben immer ruhelos, besinnt zwar und poetisch, doch mit dem tief tragischen Blick auf die kaputten Strukturen. So gerne er es hätte - hier wird niemand glücklich. Außer in seiner Imagination.
Dienstag, 27. Januar 2009
Heimatkunde/I know the way to the Hofbräuhaus/Picasso in München
Gänzlich unperfektionitischer kommt da ein Film wie Heimatkunde daher. Martin Sonneborn - seines Zeichens Ex-Titanic-Chefredakteur streunert einmal rund um Berlin herum an der ehemaligen Grenze entlang und trifft eine Menge Ossis. Entgegen aller Warnungen ("Ossi-Hetze") erreicht der Film nicht einmal ansatzweise die Schärfe und Gnadenlosigkeit des Satire-Magazins, das er 5 Jahre lang betreute. Und das ist auch besser so, denn auf der abstrakten Ebene eines Magazins, dass kommentiert, aber nicht konfrontiert ist solch eine Taktik funktionstüchtig. In einer Filmform, in der die es konkreter wird muss ein zynischer Humanist, der Sonneborn ist, natürlich zurückschrauben. Ein Verrat an den, und ein bloßes Vorführen der Figuren wäre auch zu simpel und ungerechtfertigt. Und so macht Sonneborn aus der mit einfacher Digicam über der Schulter gefilmten Tour das beste, was er aus dem Situativen machen kann - einen nostalgischen Backpacker-Blick mit viel Melancholie. Sonneborn trifft auf einen einsamen Gärtner, der die Schnauze von den Menschen voll hat und nur noch zwischen seinen Pflanzen lebt - zusammen mit seinem Weggefährten, einem Dobermann ("Der ist nicht gefährlich. Ist ja kein Kampfhund oder so."). In einem verlassenen Waldstück trifft er auf einen auf Knien betenden Mann, der "dem Ungläubigen" zunächst wortkarg den Namen seines Gottes verweigert. Nach Anbetung ebenjenes rückt er dann doch damit raus. Sonneborn blickt auf alte Stasi-Urlaubs- und Erholungszentren und Hellersdorfer Plattenbausiedlungen und es kommt so etwas wie Mitleid auf. Nicht für "Ossis" an sich, sondern für ein Deutschland, das angesichts der Ruinen und der kaputten Menschen in ihnen durchaus ein Trauma zu durchleiden hatte. Sonneborns Doku zeigt die Narben, bleibt aber zwischen mildem Sarkasmus und melancholischem Lächeln zurückhaltend und pietätsvoll. Ganz wie bei einem tragischen Schicksal üblich.
Zum Ehrentag des ollen Achternbusch gab es dieser Tage ein paar Spiränzchen von ihm im TV zu bestaunen. Bei ihm ist's wie beim "Neuen Deutschen Film" so generell - wenn sie die Klappe halten, ist's noch am Erträglichsten. In I know the way to the Hofbräuhaus spart man der Worte viel und das tut dem damit zum weitaus weniger hysterischen Stummfilm mutierten Werk sichtlich gut. Eine Mumie wandelt durch München und wer schon mal da war, weiß, dass dies ein ganz stimmiges Bild ergibt. Der Rest ist teils konzentrierte Bildkonstruktion und das ist der Worthülsen-Experimente der Umstürzler in jedem Falle vorzuziehen. Gegenbeispiel hier: Picasso in München. Meine Frage: Wo wäre denn da München? Warum seh ich's nicht?
Zum Ehrentag des ollen Achternbusch gab es dieser Tage ein paar Spiränzchen von ihm im TV zu bestaunen. Bei ihm ist's wie beim "Neuen Deutschen Film" so generell - wenn sie die Klappe halten, ist's noch am Erträglichsten. In I know the way to the Hofbräuhaus spart man der Worte viel und das tut dem damit zum weitaus weniger hysterischen Stummfilm mutierten Werk sichtlich gut. Eine Mumie wandelt durch München und wer schon mal da war, weiß, dass dies ein ganz stimmiges Bild ergibt. Der Rest ist teils konzentrierte Bildkonstruktion und das ist der Worthülsen-Experimente der Umstürzler in jedem Falle vorzuziehen. Gegenbeispiel hier: Picasso in München. Meine Frage: Wo wäre denn da München? Warum seh ich's nicht?
Donnerstag, 22. Januar 2009
The Day the Earth Stood Still/Valkyrie/Seven Pounds
Auch wenn Keanu Reeves mal wieder als Jesusfigur inszeniert wird (hat er in Hollywood etwa mehr Macht als man das so im Allgemeinen schätzen würde?), das hier alles reichlich alttestamentarisch verhanebücht wird, und auch wenn die Öko-Message ziemlich platt daherkommt, fand ich The Day the Earth Stood Still nun doch nicht so furchtbar, wie es viele Kritiker in die Welt hinaus posaunten. Unnötig genug ist er freilich, auch nur sehr bedingt spannend, hat immerhin ein paar Schauwerte zu bieten. Dass in der Endabrechnung dann ausgerechnet auf dem Militärfriedhof klar wird, dass die Menschen ja vielleicht doch rettenswert sind (und ein Einsehen haben werden. Ein Simpsonsches HAHA bitte) kommt recht lächerlich rüber. Aber was soll's. Als Popcornkino taugt der Film.
Ebenfalls eindeutig zu viel Tamtam wurde und wird mal wieder dieser Tage um Tom Cruise Egotrip Valkyrie gemacht. Das einstmals so gehypte Duo Bryan Singer und Christopher McQuarrie inszenieren diesen Historienschmonzes von ruhiger Hand, lassen die Plot Points gekonnt kegeln und haben uns auch ansonsten nicht viel zu sagen. Cruise gefällt sich in der Rolle mit dem einen Gesichtsausdruck sicherlich selbst am Besten, (Achtung: Kalauer) liefert aber keine Bombenshow ab. Die Belanglosigkeit dieses Machwerks mag lediglich der Fakt untergraben, dass die Darstellung in gröbsten Teilen zum Heroenportrait gereift, und viel zu viel Wissen um die historischen Fakten unbenannt lässt, um den filmischen Seelenfrieden nicht zu stören. Wäre ja auch zu blöd einräumen zu müssen, dass der olle Stauffi auch nicht so ganz dem Typus weltrettender Sozialpädagoge mit Herz entsprach. Immerhin dräschen die Tatsachen doch letztlich so vehemnt auf den Film ein, dass seine Dramaturgie am Ende den Geist aufgeben muss. Die stilisierte Rettungsaktion findet ein jähes Ende und den Spannungsarchitekten Singer und McQuarrie bleiben nur die banalen Zahlen- und Textspielchen, die so einen Historienschinken ja immer beenden müssen.
Juhu, wo wir gerade bei Jesusfiguren im Kino und schon langsam bizarr werdenden Egoparaden sind: Der passende Film zum Karneval ist Seven Pounds! Will Smith ist sowieso mein Lieblingsjesus, und auch in diesem hochtrabenden und tiefschnäufenden Superdrama kommt alles so, wie es diese Grundprämisse bereits vermuten lässt. Smith hat Schuld auf sich geladen (yes, you can) und arbeitet diese narrativ geschickt verwoben ab. Der Märtyrertod steht ins Haus. Leben ist Leiden kommt zwar jetzt nicht direkt aus dem christlichen Duktus, aber Smiths in Stirnfalten gelegtes Gesicht sagt da vielleicht mehr als tausend Worte. Der Film hält sich so lange bedeckt wie es geht und protzt dann hervor mit einem gewaltigen Kitschurknall, der tatsächlich die Behauptung forciert, man könne alles "Entseelte", Körperliche, Fleischliche, eins zu eins ersetzen, damit dann die Seele frei wird. Selten eine klarere Darstellung der christlichen Ideen von Beichte, Sünde, Hölle und Leiden im Leben gesehen. Wow. Respekt für soviel Scheiße.
Ebenfalls eindeutig zu viel Tamtam wurde und wird mal wieder dieser Tage um Tom Cruise Egotrip Valkyrie gemacht. Das einstmals so gehypte Duo Bryan Singer und Christopher McQuarrie inszenieren diesen Historienschmonzes von ruhiger Hand, lassen die Plot Points gekonnt kegeln und haben uns auch ansonsten nicht viel zu sagen. Cruise gefällt sich in der Rolle mit dem einen Gesichtsausdruck sicherlich selbst am Besten, (Achtung: Kalauer) liefert aber keine Bombenshow ab. Die Belanglosigkeit dieses Machwerks mag lediglich der Fakt untergraben, dass die Darstellung in gröbsten Teilen zum Heroenportrait gereift, und viel zu viel Wissen um die historischen Fakten unbenannt lässt, um den filmischen Seelenfrieden nicht zu stören. Wäre ja auch zu blöd einräumen zu müssen, dass der olle Stauffi auch nicht so ganz dem Typus weltrettender Sozialpädagoge mit Herz entsprach. Immerhin dräschen die Tatsachen doch letztlich so vehemnt auf den Film ein, dass seine Dramaturgie am Ende den Geist aufgeben muss. Die stilisierte Rettungsaktion findet ein jähes Ende und den Spannungsarchitekten Singer und McQuarrie bleiben nur die banalen Zahlen- und Textspielchen, die so einen Historienschinken ja immer beenden müssen.
Juhu, wo wir gerade bei Jesusfiguren im Kino und schon langsam bizarr werdenden Egoparaden sind: Der passende Film zum Karneval ist Seven Pounds! Will Smith ist sowieso mein Lieblingsjesus, und auch in diesem hochtrabenden und tiefschnäufenden Superdrama kommt alles so, wie es diese Grundprämisse bereits vermuten lässt. Smith hat Schuld auf sich geladen (yes, you can) und arbeitet diese narrativ geschickt verwoben ab. Der Märtyrertod steht ins Haus. Leben ist Leiden kommt zwar jetzt nicht direkt aus dem christlichen Duktus, aber Smiths in Stirnfalten gelegtes Gesicht sagt da vielleicht mehr als tausend Worte. Der Film hält sich so lange bedeckt wie es geht und protzt dann hervor mit einem gewaltigen Kitschurknall, der tatsächlich die Behauptung forciert, man könne alles "Entseelte", Körperliche, Fleischliche, eins zu eins ersetzen, damit dann die Seele frei wird. Selten eine klarere Darstellung der christlichen Ideen von Beichte, Sünde, Hölle und Leiden im Leben gesehen. Wow. Respekt für soviel Scheiße.
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