Mittwoch, 30. April 2008

Speed Racer

Larry & Andy Wachowski, USA 2008
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1.) Zunächst einmal ist SPEED RACER ein Bilderbogen, ein Kinderbuch und ein kraftvoller Wechsel der Wachowskis vom düsteren, abgedunkelten Szenario der MATRIX-Filme in eine kunterbunte, durchgestylte Traumwelt. Bester Beweis dafür, dass der Film zumindest zum Teil auch konzipiert wurde, um das sehr junge Publikum anzusprechen, ist der junge Bruder, der - wenn auch nicht explizit - als Erzähler ausgewählt wird. Er und sein Affe sind überhöht infantil, überpräsent und fast so Stück weit Slapstick für Kids.

Hin und wieder wird SPEED RACER sogar zu einem Plädoyer für den Kinderblick. Selten sentimental kann er dann Akzente setzen, gezeichnete Fantasien aufleben lassen. Im Großen und Ganzen aber bleibt der Film allerdings reines Spektakelkino - für Kinder wie Erwachsene.

2.) In ausgefeilter Manier schaffen es die Wachowskis in einem Akt von Überaffirmation im Visuellen, auf Handlungsebene eine unverhohlene Kapitalismuskritik auszuformulieren. Der Figur des Amerikaners, der sein Imperium "aus dem Keller heraus" aufgebaut hat, bleibt zumindest für einen Moment der Weg offen gelassen, auch "gutartig" zu sein. Nach kurzer Unsicherheitsphase dauert es nicht lang und der Film deckt seine Strategie des "in diesem System ist Menschlichkeit nicht möglich" auf. Als bösartiger Tumor stellt sich der Kapitalist heraus. Roger Allams Ikonografie als Bösewicht freilich weist auf diesen Weg schon frühzeitig hin.

3.) Das Stichwort ist schon gefallen: "System-Paranoia". Ähnlich dem Großen und Ganzen der Matrix, in dem der Mensch gefangen gehalten wird, ist auch die Welt in SPEED RACER eine des Scheins. In den bunten Plastikbildern, die in ihrer Dynamik zumeist affirmativ wirken, steckt der Zeitgeist, die Ideologie des 20 Jahrhunderts, transformiert auf diese Zukunftswelt. Der Perfektionismus der in der Maschinerie des Kapitalisten sogar in einer Sequenz ausführlich bebildert wird, das Verführerische und der Zynismus, sie alle bekommen ihre Stellen im Film. Die Wachowskis achten penibel darauf, die Systemkritik sichtbar zu machen und auf eine auch für die Handlung wichtige Ebene zu hieven. Der perfekte Anachronismus. Spektakel und Kritik im Einklang des Widersprüchlichen.

4.) Und doch bleibt SPEED RACER - da ist er ganz Familienfilm - in der Affektstruktur ganz konservativ. Die Familie ist verwachsen und das ist auch gut so. Werte und Normen des Zusammenlebens sind die Fixpunkte, an der dieser Film seine Moral aufhängt. Familie hält zusammen und geht auch durch schwere (ideologische) Zeiten. Dem entsprechend bricht sich die Hoffnung am Ende auch übermäßig den Bahn. Der geschärfte Blick ist gut, Family values sind wichtiger.

Dienstag, 29. April 2008

Terror's Advocate

Barbet Schroeder, Frankreich 2007
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| Barbet Schroeders Interview-Collage L' AVOCAT DE LA TERREUR über den französischen Strafverteidiger Jacques Vergès, der angefangen mit algerischen Bombenattentätern über afrikanische Diktatoren bishin zum "Schlächter von Lyon" Klaus Barbie so einige fragwürdige Persönlichkeiten verteidigt hat, zeigt sich als redseliges, aber in seiner Unübersichtlichkeit verworrenes Knäuel. Eventuell finden sich im Werk Schroeders eine Menge dieser Motivlinien, die auf Uneindeutigkeiten im politischen Bezug verweisen. Die Doku scheint fast daran zu verzweifeln das Phänomen Vergès nicht erklärbar, ja nicht einmal wirklich sichtbar machen zu können. Formal kommt der Zuschauer irgendwann nicht mehr mit und sitzt nur noch ungläubig da, angesichts dieser Masse an verschiedenen Wendungen, Verstrickungen und Leerstellen im Leben dieses unglaublich überheblichen Narzissten, die in den auch noch durcheinander montierten Interview-Ausschnitten zusehends irritieren. Eigentlich sind lediglich die Interview-Momente mit dem Protagonisten selbst so wirklich aufschlussreich. Und diese betrüben ziemlich. An ein Aufdröseln von politisch ideologisierten und motivierten Momenten ist da gar nicht mehr zu denken.

Sonntag, 27. April 2008

Shortys April 2008

Erschreckend, wofür Al Pacino sich hergibt. 88 Minutes wurde trotz Staraufgebots nicht zu Unrecht fast verschwiegen auf DVD veröffentlicht, ohne jemals die Dunkelheit eines Kinosaals genießen zu dürfen. Drehbuch und Inszenierung bewegen sich auf einem dermaßen tiefen Level, dass einem während des Films ganz schwindelig wird. Die Übeltäter müssen hier benannt werden, um sich vor ihnen in Zukunft schützen zu können: Regisseur Jon Avnet und Bary Scott Thompson (Schreiberling von Großkunst wie The Fast and the Furious oder Hollow Man II und Timecop 2) tun sich hier selbst keinen Gefallen, weil sich solche Stümper damit wohl für immer disqualifizieren müssten. Inkohärenz ist für 88 MINUTES nicht einfach nur ein Wort, es ist sein formalästhetisches Anliegen. Den Überblick verloren, selbstvergessen und hysterisch konstruiert der Film eine dermaßen unglaubwürdige und lächerliche Geschichte, dass ich hier die Frage noch einmal stellen muss: Wofür gibt sich Al Pacino eigentlich alles so her?

Deutsches Kino möchte manchmal gerne sein wie nationale Cinematografien, die sich auch so nennen dürfen. Antikörper (2005) von Christian Alvart würde z.B. gerne Finchers Seven entsprechen und suhlt sich geradzu im modernistisch-zynischen Dekor. Kalt und berechnend steht die Großstadt der ländlichen Unschuld gegenüber. Wenn das Endkapitel dann vollkommen vom Bibelsprüche predigenden Off-Erzähler bedeckt wird, weiß man überhaupt nicht mehr, wie ernst, kritisch oder verkitscht dies alles gemeint sein soll.

Wo vernarrter deutscher Kunstwillen und der Anspruch an opulent-affektivem Melodram hinführt, zeigt eindrucksvoll und immer wieder Tom Tykwer aufs Neue. Sein Winterschläfervon 1997 übt sich im Traumhaften, als sei Kino immer Märchenstunde, Sucht nach technischer Finesse, virtuose Tanzeinlage oder pathetischer Kitsch. Tykwer hat es und wird es wohl nie verstehen.

Noch einen Zacken schlimmer ist Kalt ist der Abendhauch(2000) von Rainer Kaufmann. Zwischen Nazigräuelkitsch und deutscher Beziehungskomödie kommt das Fremdschämen in Mode.

Freitag, 25. April 2008

Lieblingsfilme des Jahres 2007

Liebe auf den ersten Blick - Von der ersten bis zur letzten Sekunde hypnotisiert
The Living and the Dead (Rumley)
Into the Wild /2 (Penn)
The Proposition (Hillcoat)
Gegenüber (Bonny)
Scanners (Cronenberg)

Liebe auf den zweiten Blick - Kino als Reflektionsort, intellektuelle Konstrukte, nüchterne Meisterwerke
Rosetta (Dardenne)
Blind Mountain (Li)
Yella (Petzold)
Birth (Glazer)
Gone Baby Gone (Affleck)
Kairo (Kurosawa)
L'Enfant (Dardenne)
Caché (Haneke)
Das Zimmer meines Sohnes (Moretti)

"love to listen to the old stories" - Wieder- und Neuentdecktes
Miami Vice (Season 1)/Miami Vice: Brothers Keeper (Yerkovich/Mann/Nicolella)
Scarface (De Palma)
The Graduate (Nichols)
Shoeshine (De Sica)
3:10 To Yuma (Daves)
Who's Afraid of Virginia Woolf? (Nichols)
The Man Who Shot Liberty Valance (Ford)
The Exorcist (Friedkin)
A Dog's Life (Chaplin)
Riten (Bergman)
Simón del desierto (Buñuel)

Genreliebhaber - gradlinig, düster bis spaßig, innovativ
Grindhouse: Planet Terror (Rodriguez)
Grindhouse: Death Proof (Tarantino)
Stuck (Gordon)
WAZ (Shankland)
Cannibal Holocaust (Deodato)
Sunshine (Boyle)
28 Weeks Later (Fresnadillo)
3:10 To Yuma (Mangold)
Jeepers Creepers (Salva)
La Hora fría (Quiroga)
The Bourne Ultimatum (Greengrass)

Big Names - Erwartet Erfreuliches
O Brother, Where Art Thou? (Coen)
Eastern Promises (Cronenberg)
My Blueberry Nights (Wong)
The Assassination of Richard Nixon (Mueller)
Bobby (Estevez)
Michael Clayton (Gilroy)

Cineastenparadies - Festivallieblinge
Dreams Of Dust (Salgues)
4 Months, 3 Weeks and 2 Days (Mungiu)
Import/Export (Seidl)

American Independents
The Savages (Jenkins)
Teeth (Lichtenstein)
The Squid and the Whale (Baumbach)

Freitag, 29. Februar 2008

Berlinale 08 - Last Words

Am letzten Tag kam ich mit einem Musikstudenten aus Lyon zum Tausch überein. Er gab mir seine Akkreditiertenkarte für TOUT EST PARFAIT, wir teilten das Geld für eine normale Karte für ihn. Nach der Sichtung sinnierten wir noch vor dem Zoo Palast über Berlin. Berlin sei wie "2 Arschbacken, die zusammen gewachsen sind, mit der Gedächtniskirche als Punkt, von dem aus sich alles entspinnt". Die Reichshauptstadt sei aber auch wie "1000 Fernsehkanäle, die gleichzeitig laufen." Volle Zustimmung meinerseits zu diesen poetischen Umschreibungen des dirty, ugly hole Europas.

Die letzten Filme, die ich nun nicht in einem der Unterpostings fassen konnte:

Besonders beliebt bei der Kritik war der kleine Mexikaner Lake Tahoe, der schon deshalb besonders feinfühlig behandelt wurde, weil er - genau wie BALLAST - aus dem Berlinale Talent Campus Umfeld stammt. Mehrere Filmemacher schlossen sich zusammen und realisierten ihre Ideen. Heraus kommt in Fernando Eimbckes Film eine Aneinanderreihung von in Lakonie gegossenen Einzeleinstellungen, ein Konzeptalbum, das in seinem Denken so statisch ist wie seine Bilder. Beim Ausfaden der Bildfragmente atmet der Film immer wieder aufs Neue Melancholie ein, mit dem Erscheinen der neuen Versuchsanordnung strömt das Tiefsinnige wieder hinaus zugunsten des besseren Gefühls.

Und bald kennen wir ihn alle: Happy-Go-Lucky war der sprichwörtliche Knaller von Mike Leigh, der die Definition eines feel good movies anscheinend ausbuchstabieren wollte. Der Trick dabei ist, dass er scheinbar so aufrecht und ehrlich zu sein scheint, dass er jedem gefallen wird. Ein Arthouse-Pleaser wie der letztjährige IRINA PALM. Fraglich bleibt nur, ob solch eine filmische Frohnatur der Realität (und Lieghs Realitätsanspruch) gerecht wird, wenn sie mit solch einer banalen Aussage endet wie "Sei glücklich!" und negative Gedanken sind zwar vorhanden in dieser Welt (immerhin, das wird deutlich in den besten Passagen des Films), sind aber letztlich doch "doof". Kürzer greifen konnte man es nicht?

Zwei Mal traute ich mich auch ins Sonderprogramm "German Cinema". Zwei bisher nicht veröffentlichte Filme bekam ich in dem Reigen zu sehen, der normalerweise nur die bekanntesten deutschen Veröffentlichungen des letzten Jahres der akkreditierten Fachpresse aus dem Ausland vorstellen soll.

Früher oder Später ist ein Familiendrama mit Lolita-Anstrich, mit einigen lächerlichen mood-Sequenzen versehen, welche die Prinzessinenfantasien im zeitgenössischen Teen-Nirvana zeigen. Der Film ist artifiziell, mit der Kälte eines Musikproduzenten hingebastelte Negativ-Kür eines deutschen Independent-Kinos, dass Kino mit Peergroup-Watching, Film mit Musik verwechselt.

Dem deutschen Kino mangelt es schon an den Grundzutaten Dramaturgie, Figurengestaltung und -motivation an dem Essenziellen, was Kino ausmachen sollte. Furchtbar ist es mit ansehen zu müssen, wie ein Film ohne eine Chance schnurstracks ins Triviale versackt. Auch Beautiful Bitch bekommt nicht die Kurve von seinem sehr ernsten Thema (Menschenhandel und Kinderarbeit) direkt in den Fast Food abzurutschen (ob Humor oder Kitsch, die Taktiken sind altbekannt) und somit Berieselungskino nahe den TV-Wegwerf-Konserven zu repräsentieren.

Eine letzte Anekdote: Ganz anders war da dann schon mein persönlicher Abschlussfilm Chiko. Hier war nun das Publikum erstmals bei dieser Berlinale ein komplett ausgewechseltes. Will sagen: Die Proleten enterten den Zoo Palast. Sehr sympathisch, gerade die beiden Türken, die sich neben mich setzten, und fragten, ob das denn ein "türkischer Gangsterfilm" sei. Mein Hinweis, dass dieser wohl eher deutsch, zur Beruhigung aber immerhin hinzufügend "von Deutschtürken" sei, konnte die beiden Enttäuschten nicht zufrieden stellen. Die tröstenden Bionade und Becks Gold halfen auch nicht viel, da man sie noch vor Filmstart ausgekippte. Auf klebrigem Boden dann der Film.

Der seine Vorbilder (SCARFACE bspw.) platt nachahmende Hamburg-Gangster-Flick überrascht gar (gerade als Gegenstück zum restlichen nationalen Kino auf der Berlinale), da er 1.) überzeugend inszeniert und 2.) folgerichtig und konsequent im brutalen Strudel aus Blut und Tod endet. Wie gesagt, nur ein Kopierer, aber immerhin ein Guter, und dann auch noch einen Genrefilm, und dann auch noch aus Deutschland. Fast Respekt.

Meine beiden Homies hatten nicht mal mehr den, denn sie waren ab 2/3 des Films mit lautstarken Telefonaten beschäftigt. Mich amüsierte die hocheske Szene als Einzigen, Köpfe drehten sich in immer kürzeren Abständen in unsere Richtung um. Berlinale - eben immer auch ein Besucherfestival der ganz besonderen Art.

Donnerstag, 21. Februar 2008

58. Filmfestspiele Berlin 2008 - Kategorienfehler und Sektionismus

Wenn im Nachhinein über die Berlinale geredet wird sprechen alle gerne davon, dass der Wettbewerb ja wieder einmal blöd war - nicht selten einem Stil ähnlich klingend, der sich in Ressentiments gegen "das Hollywood-Kino" erschöpft. Passend dazu klärte auch ein täglich an allen Ecken und Enden ausgeteiltes Lifestyle-Magazin (Welches war es doch gleich?) den Berlinale-Gast frisch aus dem Kinosaal kommend auf: "Der Wettbewerb ist die Sektion, in der große, internationale Filmproduktionen, die später ins Kino kommen, gezeigt werden." Da nehmen sich dann die Vanity Fair (?) und der kunstbeflissene Filmfreund nicht mehr viel in der gemeinsamen Argumentation.

Schaue ich mir nun den Wettbewerb an, muss ich mich doch wundern. Lance Hammers BALLAST soll im Kino laufen? Wang Xiaoshuais ZUO YOU ist Mainstream-kompatible Massenware? Fernando Eimbckes LAKE TAHOE ist eine internationale Großproduktion?

Fakt ist doch, dass der Übergang der Sektionen qualitativ größtenteils recht beliebig ist. BALLAST hätte durchaus auch ins junge Forum gepasst. Das deutsche FEUERHERZ lief als "Cross-Section" Beitrag auch im Generationen-Programm. Der finnische MUSTA JÄÄ hätte auch bestens im öffentlich-rechtliche Fernsehen einen Platz haben können, ohne je von Kinoleinwänden gestreut werden zu müssen.

Kritikwürdig ist sicherlich der Punkt, dass die Entscheidungen für den Wettbewerb fast ausschließlich politische Natur sind. Alle Länder, alle Flaggen, möglichst breite Themenvielfalt, wenn's geht immer mit poltischem Einschlag. Große Namen sind gerne gesehen, Altstars wird gehuldigt, hübsche Damen vergrault man nicht in Nebensektionen. Alles durchaus sinnvoll angebrachte Kritik. Mit einem "der Wettbewerb ist doch langweilig/kommerziell/Mainstream" oder sonstwas ist es aber nicht getan.

Wenn fein gegen den Wettbewerb polemisiert wird, vergisst man nie, das Panorama und das Forum zu loben. Es stimmt vollkommen, hier positive Bemerkungen anzubringen, jedoch Überschätzungen sind noch keinem Film gut bekommen.

Das Panorama ist vor allem ein Ort des "Diversen" - Diverse Genres, diverse Stars, diverse Bodenlosigkeiten. Der Gangsterfilm JERUSALEMA von Ralph Ziman beispielsweise ist ein furchtbarer AMERICAN GANGSTER auf südafrikanisch. Ein klischeebelasteter B-Flick der affirmativ-unterhaltsamen Sorte. Negativ hervor stach auch Alex Riveras US-Mexikanischer SLEEP DEALER, der sich in dilettantischer, ernst nehmender Moralsoße als banales, politisches Manifest verstand. Dabei ist er nichts weiter als eine Science-Fiction-Love-Story mit sozialem Einschlag in der Optik der Power Rangers. Ein offensichtliches Desaster war auch die Vorführung von 3 DÍAS/BEFORE THE FALL vom Spanier F. Javier Gutiérrez. Vor grummeligem postapokalyptischen Hintergrund entspinnt sich zur Überraschung (und Ärger) des Zuschauers ein Serienmörder-Thriller, der ein ums andere Mal Haken schlägt und damit sein Publikum verliert. Der Clou des Films ist dann sein überzeichnetes Happy End im Angesicht des Weltuntergangs. Es setzte einige Buhrufe aus den Sesselreihen.

Die hätte es auch geben können beim spanischen Gruselfilmchen ESKALOFRÍO von Isidro Ortiz. Doch ehe man den Film als harmlose, konventionelle Variante des spanischen Geisterhausfilm liest, eröffnet sich von Seiten des Films (sicher aber nicht der Macher) glücklicherweise die Möglichkeit SHIVER als Trash abzufeiern. Die abstrus hingerotzte Idee des Wolfsmädchens im verknebelt konstruierten Grundgerüst, brachte die Berlinale-Kinoreihen zum herzlichen Schmunzeln.

Der - den Madonna-Schwachsinn mal abgesehen - meist erwartetste Film war sicherlich die internationale Co-Produktion TRANSSIBERIAN von Brad Anderson (Session 9). Er inszeniert eine durchweg schön anzusehende Geschichte, versucht sich als Hitchcock und auch ein kleiner Kulturclash liegt Zeitgeist atmend in der Luft. Das Ende jedoch - Andersons Fehler bleibt weiterhin der Zwang zur Pointe - könnte kaum banaler sein. Nach so etwas kann der geneigte Zuschauer trotz Mitfieberns und guter Miene nach 100 Minuten nur enttäuscht sein. Das Werk war zwar im Vergleich zu vielen anderen Genrebeiträgen sicherlich lange nicht so schlecht, doch aber eine nicht zu Ende gedachte Frechheit. Da wird dann schnell klar, warum der Film trotz Woody Harrelson, Ben Kingsley und Emily Mortimer nicht im Wettbewerb lief.

Wenn man - begrüßenswerter Weise - Genreware ins Arthouse-Festival holt sollte sie doch wenigstens den Mindestansprüchen genügen. Die Verantwortlichen tun sich keinen Gefallen mit Bodenhaftung zu prahlen, den Blick zu öffnen und dann qualitativ miese Produktionen zu programmieren und Jahr für Jahr schlechten Geschmack zu beweisen. Das Fantasy Filmfest würde sich bei den genannten Filmen jedenfalls milde lächelnd wegdrehen - es sei denn, sie haben noch einen Counterpart im 23:30 Uhr Slot übrig, für den sie partout keinen Lückenfüller finden können.

Dienstag, 19. Februar 2008

58. Berlinale 2008 - Timetable

Freitag, 08.02.08
14:00
Berlinale Shorts V.
Superficie Surface Oberfläche
R: Rui Xavier, Portugal 2007
Nadie No Body Niemand
R: Belen Blanco, Argentinien 2007

20:00
Regarde-moi Ain't Scared
R: Audrey Estrougo, Frankreich 2007
Forum ~ Cmxx 8 ~ 4,0

22:30
Secrets Behind the Wall
R: Wakamatsu Koji, Japan 1965
Forum Retrospektive ~ Cmxx 8 ~ 6,0


Sa, 09.02.08
10:30
The Exiles
R: Kent Mackenzie, USA 1961
Forum Retrospektive ~ Cmxx 8 ~ 5,0

12:30
My Brother's Wedding
R: Charles Burnett, USA 1983
Forum Retrospektive ~ Cmxx 8 ~ 8,0

14:00
Berlinale Shorts II.
Giganti Giants Giganten
R: Fabio Mollo, Italien 2007
Dreznica
R: Anna Azevedo, Brasilien 2007
Three Of Us Wir drei
R: Umesh Kulkarni, Indien 2007
Bonne Mère
R: Maxime Desmons, Kanada 2007
Reise zum Wald Journey To The Forest
R: Jörn Staeger, Deutschland 2008
K
R: Piers Thompson, Großbritannien 2007

17:00
Sharon
R: Dror Moreh, Israel/Deutschland 2007
Panorama Dokumente ~ Cstr ~ 5,0

19:00
Green Porno
R: Isabella Rossellini/Jody Shapiro, USA 2008
My Winnipeg
R: Guy Maddin, Kanada 2007
Forum ~ Cmxx 8 ~ 3,0

21:00
Musta Jää Black Ice
R: Petri Kotwica, Finnland/Deutschland 2007
Wettbewerb ~ Urania ~ 2,0

23:30
Zuo You In Love We Trust
R: Wang Xiaoshuai, Volksrepublik China 2007
Wettbewerb ~ Urania ~ 1,0

So, 10.02.08
10:00
Nacht vor Augen Night Before Eyes
R: Brigitte Bertele, Deutschland 2008
Forum ~ Cmxx 8 ~ 5,0

12:30
Leo
R: Josef Fares, Schweden 2007
Forum ~ Cmxx 8 ~ 8,5

15:30
Chop Shop
R: Ramin Bahrani, USA 2007
Generation Kplus ~ Zoo Palast ~ 8,0

19:00
Revanche
R: Götz Spielmann, Österreich 2008
Panorama ~ Zoo Palast ~ 3,0

21:00
Gardens of the Night
R: Damian Harris, USA/Großbritannien 2007
Wettbewerb ~ Urania ~ 2,0

23:30
Lake Tahoe
R: Fernando Eimbcke, Mexiko 2008
Wettbewerb ~ Urania ~ 3,0

Mo, 11.02.08
9:00
War Child
R: Christian Karim Chrobog, USA 2008
Generation 14plus ~ Babylon Mitte ~ 5,0

11:30
Früher oder später Sooner Or Later
R: Ulrike von Ribbeck, Deutschland 2007
German Cinema ~ Cmxx 1 ~ 2,0

13:30
Beautiful Bitch
R: Martin Theo Krieger, Deutschland 2007
German Cinema ~ Cmxx 1 ~ 3,0

15:00
Fireflies in the Garden
R: Dennis Lee, USA 2008
Wettbewerb - Außer Konkurrenz ~ Urania ~ 8,5

17:45
Boy A
R: John Crowley, Großbritannien 2007
Panorama ~ Cstr ~ 7,5

20:00
Jerusalema
R: Ralph Ziman, Südafrika 2007
Panorama ~ Cmxx 7 ~ 2,5

Di, 12.02.08
9:30
Tropa de elite The Elite Squad
R: José Padilha, Brasilien/Argentinien 2007
Wettbewerb - Gewinner Goldener Bär ~ Urania ~ 8,5

12:00
Man Jeuk Sparrow
R: Johnnie To, Hongkong/China 2007
Wettbewerb ~ Urania ~ 7,0

14:30
Coupable Guilty
R: Laetitia Masson, Frankreich 2007
Panorama ~ Cubix 9 ~ 1,0

17:00
Munyurangabo
R: Lee Isaac Chung, USA/Ruanda 2007
Generation 14plus ~ Babylon Mitte ~ 6,0

19:00
Sleep Dealer
R: Alex Rivera, USA/Mexiko 2008
Panorama ~ Zoo Palast ~ 2,0

22:30
Transsiberian
R: Brad Anderson, Spanien/Deutschland/Großbritannien/Litauen/Spanien 2008
Panorama ~ Cubix 7 & 8 ~ 4,0

Mi, 13.02.08
9:30
Happy-Go-Lucky
R: Mike Leigh, Großbritannien 2007
Wettbewerb - Bär für beste Darstellerin ~ Urania ~ 5,0

12:00
Mutum
R: Sandra Kogut, Brasilien/Frankreich 2007
Generation Kplus ~ Zoo Palast ~ 6,0

14:00
Go, Go Second Time Virgin
R: Wakamatsu Koji, Japan 1969
Forum Retrospektive ~ Delphi Filmpalast ~ 5,0

15:00
Bam gua Nat Night And Day Nacht und Tag
R: Hong Sangsoo, Republik Korea 2008
Wettbewerb ~ Urania ~ 1,0

16:30
Flipping Out
R: Yoav Shamir, Israel/Kanada 2007
Forum ~ Delphi Filmpalast ~ 4,0

18:30
Standard Operating Procedure
R: Errol Morris, USA 2008
Wettbewerb - Gewinner Jury Preis, Silberner Bär ~ Urania ~ 2,0

22:30
Jesus Christus Erlöser Jesus Christ Saviour
R: Peter Geyer, Deutschland 2008
Panorama Dokumente ~ Cubix 7 ~ 7,5

Do, 13.02.08
9:00
Kurzfilme Kplus 1
Medvezhii istorii Bears' Stories Bärengeschichten
R: Marina Karpova, Russische Föderation 2007
Golden Guy Golden Guy Golden Guy
R: Julia Tews, Deutschland 2007
Rybka The Tiny Fish Das Fischlein
R: Sergei Ryabov
Russische Föderation 2007
Kroshechka-Khavroshechka Kroshechka-Khavroshechka Die kleine Khavroshka
R: Inga Korzhneva, Russische Föderation 2007
Jauna Suga The New Species Eine neue Art
R: Evalds Lacis, Lettland 2007

10:30
Filth And Wisdom
R: Madonna, Großbritannien 2008
Panorama ~ Cmxx 7 ~ 1,0

13:00
La Rabia
R: Albertina Carri, Argentinien 2008
Panorama ~ Cmxx 7 ~ 2,5

15:00
Jeder für sich und Gott gegen alle
R: Werner Herzog, Bundesrep. Deutschland 1974
Aufbruch der Filmemacher ~ Filmkunst 66 ~ 7,0

18:30
Caos calmo Quiet Chaos
R: Antonello Grimaldi, Italien 2008
Wettbewerb ~ Urania ~ 7,0

22:30
Le ring The Fight Der Ring
R: Anais Barbeau-Lavalette, Kanada 2007
Panorama ~ Cmxx 7 ~ 4,0

Fr, 15.02.08
12:00
Restless
R: Amos Kollek, Israel/Deutschland/Kanada/Frankreich/Belgien 2007
Wettbewerb ~ Urania ~ 2,5

14:00
Ecstasy of the Angels
R: Wakamatsu Koji, Japan 1972
Forum Retrospektive ~ Delphi Filmpalast ~ 3,0

18:30
Feuerherz Heart of Fire
R: Luigi Falorni, Deutschland, Österreich 2008
Wettbewerb ~ Urania ~ 1,0

19:00
Arumdabda Beautiful
R: Jaihong Juhn, Republik Korea 2007
Panorama ~ Zoo Palast ~ 2,0

22:30
Bananaz
R: Ceri Levy, Großbritannien 2007
Panorama Dokumente ~ Cstr ~ 1,0

Sa, 16.02.08
9:30
Katyn
R: Andrzej Wajda, Polen 2007
Wettbewerb - Außer Konkurrenz ~ Urania ~ 3,0

14:00
3 días Before The Fall
R: F. Javier Gutiérrez, Spanien 2007
Panorama ~ International ~ 4,0

16:30
Divizionz
R: Yes! That's Us, Uganda/Südafrika 2007
Forum ~ Delphi Filmpalast ~ 4,0

18:30
The Other Boleyn Girl Die Schwester der Königin
R: Justin Chadwick, USA/Großbritannien 2007
Wettbewerb - Außer Konkurrenz ~ Urania ~ 2,0

21:00
Ballast
R: Lance Hammer, USA 2007
Wettbewerb ~ Urania ~ 8,5

23:00
Eskalofrío Shiver
R: Isidro Ortiz, Spanien 2007
Panorama ~ Cubix 7 & 8 ~ 3,5

So, 17.02.08
12:30
United Red Army
R: Wakamatsu Koji, Japan 2007
Forum Special ~ Arsenal ~ 6,0

15:30
Buda Az Sharm Foru Rikht Buddha collapsed out of shame Buddha zerfiel vor Scham
R: Hana Makhmalbaf, Iran/Frankreich 2007
Generation Kplus ~ Zoo Palast ~ 3,0

19:00
Tout est parfait Everything Is Fine
R: Yves-Christian Fournier, Kanada 2007
Panorama ~ Zoo Palast ~ 7,0

21:30
Chiko
R: Özgür Yildirim, Deutschland 2008
Panorama ~ Zoo Palast ~ 5,0

Montag, 4. Februar 2008

Shortys Jan/Feb 2008

Someone Beside You
Bebilderungen von Psychosen und ihren Therapien. Klingt sauspannend, ist aber wenig bis nichts, vor allem wohl weil Psychosen in einem dokumentarischen Medium nicht nachvollziehbar werden. Die Patienten bleiben dem Zuschauer fremd, ihre geschilderten Erlebnisse und Gedanken nicht fassbar.

The Hours
Depressionskino für mittelständische Frauen, die zwischen Gesellschaftszwang und innerem Ausbruch kaputt gehen. Schauspielerinnenkino, das seinen narrativen Tick als Kunst behauptet. Belanglos. 

Wie Zar Peter seinen Mohren verheiratete
Ein einfältiger Film für ein einfältiges Volk. Russenpolka und Kostümball. Geschichtsverklitterung und Narrationschaos. Ein Höllenritt ins Nichts.

Layer Cake
Guy Ritchie schaut um die Ecke. Ihgitt.

PTU
Es gibt ein Genre, das liegt mir fern wie der Mond - den Hong Kong Thriller. Demnach zunächst hierzu kein Kommentar, war vorbereitend auf die Berlinale geschaut worden... 

A Cock and a Bull Story
Wildgewordene Selbstreferenzparty, vollkommen chaotisch und stellenweise dadaistisch. Verfilmung des entsprechenden Romans von Laurence Sterne "The Life and Opinions of Tristram Shandy" - zunächst stärker an der Vorlage, dann am Bezug auf den filmischen Produktionsprozess interessiert.

Echo Park L.A. aka Quinceañera
beliebt für seinen Blick auf mehrere Minderheiten - Latinos, Homesexuelle, sozial Schwache. Künstlerisch ein Desaster - auch weil die Figuren schlecht beleuchtet werden - vor allem aber da mutlos auf seine affirmative Musik verlassend und damit in Verruf eines feel good movies verfallend. Beliebiger US-Indy-Schmonz.

État de siège 
Halbdokumentarischer Politthriller. Kantig und schroff, ungemütlich und vielfach einen Fick aufs Filmische gebend. 

Fleisch ist mein Gemüse
Wie soll man eine deutsche Satire umsetzen? FIMG ist sich des Problemes bewusst und thematisiert den unausweichlichen Mischmasch aus Affirmation und Verachtung des den Film motivisch leitenden typisch deutschen Humors in dem es zum Ende transparent gemacht wird. Das rettet den Film zwar nicht, passt aber zum durchweg durchgeknallten Ton.

Esperanza
Kosturica auf deutsch. Skurriles Gimmickgetue in fettiger TV-Optik. Heiter hüpfend, sexistisch, wie eine Daily Soap durchs braune Milchglas. Schröcklich.

Donnerstag, 21. September 2006

Wild at Heart

David Lynch, USA 1990
| mit david lynch und mir ist das so eine sache. da gibt es werke, die ich äußerst schätze und die in meine bestenliste gehören (mulholland drive, eraserhead), dann gibt es filme, die ich ganz nett finde (der elefantenmensch, the straight story), sachen die mir irgenwie egal sind (blue velvet, twin peaks) und dann auch diese streifen, die mir regelrecht auf die klöten gehen (dune, lost highway). zu den letzt genannten gehört auch wild at heart. dieses early 90ies produkt habe ich das letzte mal wohl vor vielleicht 8 jahren (also in meiner kindheit) gesehen und habe von daher gedacht, dass sich meine meinung zum film vielleicht inzwischen verändert hätte. eine fehlannahme.

bei wild at heart untergräbt david lynch dasjenige, was seine wirklich starken werke auszeichnet, recht eindeutig sogar mit allerlei, nennen wir es hier mal zusammengefasst "schnickschnack", der dem film gar nicht gut tut. lynch steht bei mir für eine verbindung aus stilvollem understatement, visueller raffinesse und subversiver skurilitätenkabinett-schau. von letzterem lässt sich bei wild at heart so einiges finden - so viel, dass es schon nach kurzer zeit nervtötend wird. aber bei seinen altbekannten absonderlichkeiten allein belässt es lynch leider nicht. statt dessen gibt es eine sehr, sehr hässliche melange aus kitsch und trash, road-movie-pop-oper, gewollter provokation aus sex & crime, überstilisierungen im massenrausch und gekünsteltem lackanstrich, zuckersüß wie bonbon-gelee. klar, dass dies mit begriffen wie stilvoll und understatement nicht unbedingt d'accord geht. eine penetration ins amerikanische kleinhirn - der film macht zumindest den anschein als ob er das gerne wäre, und bei betrachtung des lynchen oevres dürfte das wohl soweit stimmen. dieser unharmonische, merkwürdig unstimmige crusher wirkt über weite strecken wie ein kompletter griff ins klo - von daher schon erstaunlich, das ausgerechnet dieses werk so einige preise abräumen konnte, vor allem die goldene palme in cannes... TV

Mittwoch, 20. September 2006

Lady in the Water

M. Night Shyamalan, USA 2006
| welcher teufel shyamalan geritten hat das konzept für diese inkohärente dämlichkeit von einem film durchdrücken zu wollen würde mich mal interessieren. lady in the water ist ein munteres gewusel aus allerlei versatzstückhaften ideen, die von märchenhaftem ambiente über apokalyptische mysterien, von multikulturellem ensemble-melting pot bis zur fabel über film, von fast melancholischem horrorfilm bis zur innenansicht eines künstlers reichen. da fängt der betrachter schnell an zu staunen, was hier so alles in einem drehbuch verwurschtet wurde. am auffälligsten bei diesem kunterbunten mischmasch ist jedoch vor allem die tatsache, dass dies alles zu keinem zeitpunkt auch nur im ansatz als film funktioniert. so ist lady in the water ungefähr das langweiligste, was ich in diesem jahr zu gesicht bekommen habe. was hier als quirrlige anordnung konstruiert wird, scheint gleichzeitig zu viel und zu wenig des guten.

doch nochmal einen schritt zurück - lady in the water ist zunächst einmal ein genremix aus mystery-thriller, moralischem familienfilm, märchengeschichte und harmlosem horror. unter diesem gemisch aus berechneter genremontur liegt dann ein subtext über film und filmemachen, der irgendwie allzu offensichtlich eingespannt ist, andererseits außer der netten idee an sich nichts zu bieten hat. der schreiber, die story, der kritiker - und mittendrin shyamalan als selbstinszenierer - alles äußerst seltsam unausgereift. die erzählung vernachlässigt für diese konstruktion und für seine stereotypen figuren aus allen erdenklichen kulturkreisen ganz heftigst den mysteryplot, der insgesamt so erbärmlich spannungsarm wirkt. da wird von einer fährte zur nächsten gehumpelt als ob der zuschauer ein naivling ist, der noch nie einen streifen aus dem genre gesehen hätte. überhaupt kam ich mir mehrmals verarscht vor von dem werk - gerade dieses offensichtliche, krampfhafte spiel mit einer auf sich selbst beziehenden plotstruktur wirkte so, als ob der film protzen möchte mit einer klugheit, die er vorgibt zu besitzen.

interessant ist bei der ganzen sache auch das drumherum, denn disney wandte sich von shyamalan ab, gab der idee wohl keine chance und löste gleich ganz den vertrag mit dem eigentlich doch so verehrten regisseur. daraufhin gab ihm warner brothers die möglichkeit, sie werden es wohl schon jetzt bereut haben, nachdem die box-office-zahlen ja recht übel waren. eine komische entwicklung irgendwie, bei the village gab disney noch einmal grünes licht, obwohl mir der film durchaus düsterer und subversiver vorkam - beim harmlosen biederkrimi lady in the water nun ausgerechnet verlässt das studio shyamalan, zu dem der film weitaus besser passen würde... Kino/Cinestar

Montag, 18. September 2006

Apocalypse Now Redux

Francis Ford Coppola, USA 1979
| coppolas vietnam-spektakel hat mich in erster linie erst einmal geschafft - und das nicht unbedingt im positiven sinne. ich habe die redux version, also den angeblichen directors cut gesehen - und einem interview mit kamermann vittorio storaro zufolge, soll die variante ja aus bequemlichkeitsgründen und finanziellem interesse entstanden sein. das erklärt dann eventuell auch meine irritation - denn apocalypse now redux wirkt doch merkwürdig unschlüssig und verheddert sich in seiner narration. der film an sich besteht vornehmlich aus chaotischen szenarien, in eine reihung gebracht, die immer weiter in den wahnsinn steuert, surrealer wird und am ende im kompletten irrsinn kulminiert. nichts mehr mind over matter, hier herrscht nur noch körper über geist, die psyche am ende und die erkenntnis der bösen natur, die dem menschen innewohnt. die heftigen bildgewitter stürzen in ihrer dauerpräsenz über unseren köpfen zusammen und schaffen in ihrer audivisuellen, teilweise schlicht perfekten inszenierung filmische momente, die hängen bleiben - auch im kollektiven, kulturellen gedächtnis. apocalypse now - ein opus also, und der beste antikriegsfilm aller zeiten, schielt man auf den allgemeinen konsens.

aber eben doch sehr seltsam, das ganze. an einigen stellen kam ich nicht mehr zurecht mit dem werk. und wie ich jetzt im nachhinein feststellen muss, waren dies genau die markanten punkte, die in der redux variante hinzugezogen werden. am auffälligsten dabei sicherlich die elend lange, unnötig politisierende szene am tisch der franzosen, und die darauf folgende liebessequenz, die für sich genommen auch aus einer üblen lateinamerikanischen telenovela stammen könnte. auch der schlicht komische erzählstrang mit den bunnys im helikopter leuchtete mir kaum ein und führte den film kurzzeitig ad absurdum, was thematisch und stilistisch irgendwo auch wieder passte und von daher keine große sache war. schlimmer jedoch waren die ablenkungen, die der film als gesamtkonstrukt durch diese unnötigen momente erfuhr, die tempominderung, die starke fragmentisierung. zwar machten diese zusätzlichen sequenzen den film nicht gänzlich kaputt, aber wie gesagt, sie stiften verwirrung und strengen an - sehr schade...

sicher bin ich mir jedoch auch nicht so recht, ob mir der film letztlich im orginal so zugesagt hätte. das psychedelische karussell lässt uns einerseits kräftige, monströse bilder erleben, die in ihrer ästhetisierung vielleicht schon wieder etwas fragwürdig wirken, und zu häufig auch die gleichgültigkeit der protagonisten übernehmen - emotionalen "horror" habe ich jedenfalls beim schauen des werkes nicht gespürt, obwohl die seltsame atmosphäre sicherlich sehr gruselig war. zum anderen fiel mir die schemenhafte zeichnung der figuren auf - der film bewegt sich irgendwo immer auf einer abstrakten ebene, da passen realitätsnahe szenarien nicht herein, doch genau diese strategie birgt schwierigkeiten, da wir uns im genre antikriegsfilm bewegen...

kurz und gut - apocalypse now redux scheint ein unnötiges aufbrühen eines klassikers zu sein. das orginal werde ich mir mit gewissem zeitlichen abstand nochmal anschauen... Metropolis/OmdU

Freitag, 15. September 2006

Miami Vice

Michael Mann, USA 2006
| michael manns aufpolierte post-2000er variante der 80er edel krimiserie. stilbombe? oberflächenrausch? oder doch crockett und tubbs angekommen in der düsteren realität - downtown miami edelclub-atmosphäre eingetauscht gegen amerika, nur so halb im trauma zugegen? alles so ein bisschen, doch keines von alledem so wirklich. zum einen schafft mann seinen typischen mix aus starken bildern, jazziger atmosphäre und tiefergehenden momenten dieses mal nicht so recht zu realisieren. im vergleich zu seinen vorgängern sackt miami vice stilistisch um einiges ab, auch wenn mit der digitalen handkamera in nächtlicher umgebung in manchen momenten auch ein anderer stil angedeutet wird. warum miami vice letztlich aber vor allem zur enttäuschung wird, lässt sich auf diese ungenauigkeit zurückführen, die das gesamtwerk auszeichnet. einerseits dominiert die oberfläche klar und deutlich, wird revivalmäßig auf ein genreformat der alten schule zurückgegriffen. das bedeutet neben konventionellen storyverläufen und gewöhnlicher ästhetik auch platte figuren und so einige plotlöcher. auffällig dabei vor allem die stark geminderte brutalität, die doch eben eigentlich vorhanden sein müsste, wenn der film in so ein realistisches szenario vordringen möchte, wie er es an einigen stellen vorgibt zu tun. so ist die showze aber eben recht ambivalent. zudem bleibt in diesem szenario auch kein platz für die melodramatischen momente, die der film gegen ende schaffen möchte - der versuch eines tieferen eintauchens wie er eben bei den vorgängern manns geklappt hat, trifft hier auf die recht harte oberfläche. miami vice funktioniert somit als copthriller für die 2 1/2 h ungewöhnlich gut, bleibt aber als neuer film von michael mann eine enttäuschung... Kino/Cinemaxx

Donnerstag, 14. September 2006

Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders

Tom Tykwer, Deutschland/Frankreich/Spanien 2006
| eine beleidigung für den zuschauer wie der untergang ist das parfum nun nicht geworden, aber nahe dran. zu bernd eichinger braucht man nicht mehr viele worte zu verlieren - um die ideale filmische hülle für seine geldmaschine zu finden gibt er auch hier alles erdenkliche. so wird uns hier auf dem goldenen tablett präsentiert: ein märchen, erzählt im stil von amelie - genauer genommen der versuch eines genremixes von thriller und drama versetzt mit ein wenig adventure-stimmung, kauzigen witzigkeiten, häufigen, pompösen settingwechseln und hochtrabend emotionalisierender musikuntermalung. dass der eigentlich nüchtern erzählte plot dazu natürlich passt wie ein elfenbeinzahn in einen mäusearsch ist klar. eichinger - einmal mehr bauchnabelpolierer, soweit nichts neues. zu tom tykwer jedoch sollen dann auch noch ein paar worte verloren werden, da dies noch nie geschehen ist an dieser stelle. in deutschland mag man ja seine regisseure, denen auch international "talent" bescheinigt wird - vor allem die, welche geld und ruhm einbringen und dazu am besten noch ein wenig stil haben. elendig überschätzte zelluloidschmierfinken wie fatih akin zum beispiel (siehe vorheriger post). oder eben tom tykwer - mister style over substance schlechthin. gut, da mag ich polemisch übertreiben, aber das, was ich hier zu sehen bekam, beschreibt den stil des regisseurs und des films eben perfekt ohne da viel hinzusetzen zu müssen - substanzlos. die ersten 2/3 des films bieten eben nichts, rein gar nichts auf irgendeiner reflexionsebene, dann kommt der plakative schluss mit dem ...gähn... vorschlaghammer. tykwers schöne, verträumte bilder, die so gerne poesie ausstrahlen würden, und stets verzweifelt versuchen niveauvoll zu wirken, am liebsten bezeichnungen wie "lyrisch, magisch, episch" zu hören bekommen würden - sie verpuffen prinzipiell im nichts, sind an sich biedere tümmeleien. wer auf solche oberflächenpolitur und lackanstrichgelage steht - bitte sehr, zugeschlagen. es bleibt mitanzusehen wie der film munter von plotloch zu plotloch hüpft - so sehr auffällig, dass man dies nicht mal mit der märchenhaften art und weise mehr rechtfertigen kann - wie er einige unglaublich dilettantische dämlichkeiten zelebriert (auch hier nochmal der verweis auf den untergang, bei dem ich ebenso staunen musste wie so etwas ernst genommene werden möchte) oder wie dustin hoffman sich zum clown macht. interessant auch zu sehen, dass das werk bei der deutschen presse komplett durchgefallen ist. immerhin, hoher blutdruck bei der kritik und dieses mal keine lobeshymnen...vorerst... PV/CM